Das Fieber der Seele

Begleitet von einer starken inneren Unruhe legt es sich 2015 Jahren wie ein Nebel um meinem Körper, den Geist und die Seele. Ich kann es nicht deuten, spüre jedoch den Wunsch nach Veränderung. Es kommt die Zeit, in der ich mich dem Sturm in mir widme und ich höre meine Seele schreien. Sie brüllt mich regelrecht an.

Ich schenke der Stimme in mir Gehör und beschließe Anfang 2016 ihr uneingeschränkt zu folgen. Bald darauf wird mir die Kraft meiner inneren Stimme bewusst und mein persönliches Wachstum beginnt. Ich wachse über meine bisherigen Grenzen hinaus. Ich vertraue blind meiner Intuition und mache meine ersten Schritte auf meinem Herzensweg.

Auf diesen Seiten halte ich meine Gedanken, Gefühle und Erlebnisse fest. Mal regelmäßig, mal sporadisch.

Mein Weg ist eine Reise mit dem Wohnmobil. Start: 4.10.2017. Ziel unbekannt, Zeitdauer unbekannt.

Voyeure meines Lebens

Jeder, der meinen Blog liest, jeder der mir auf Instagram folgt oder meinen Whatsapp Status sehen kann, weiß natürlich ziemlich gut über mein Leben Bescheid. Weiß wo ich bin und was ich mache und ist in diesen Momenten virtuell Teil meines Lebens.  Es suggeriert offenbar Verbundenheit mit mir, weil man ja praktisch bei meinen Abenteuern täglich dabei ist. Es suggeriert einen Kontakt, den es aber in der Realität nicht gibt. Es ist eine recht fiktive und vor allem einseitige Angelegenheit.

Denn wer von euch postet täglich etwas aus seinem Leben? Ich weiß nämlich nicht, was ihr macht und spüre demnach keine Verbundenheit.

Bei Menschen, die mir noch bis Oktober nah standen, versuchte ich regelmäßig persönlich Kontakt aufrechtzuerhalten. Per WhatsApp, E-Mails oder Telefonate. Nachrichten werden nur sehr selten beantwortet oder mit dem Hinweis, man würde ja mein Leben anhand meiner Bilder sehen. Mir reicht das erstens nicht, um einen Kontakt aufrechtzuerhalten und zweitens weiß ich nicht, wer von meinen „Freunden“ meine Bilder sieht. Das wird mir nur angezeigt, wenn ihr entweder aufs „Herzchen“ tippt oder einen Kommentar hinterlasst. Und somit seid ihr im Endeffekt aus meiner Sicht nur heimliche Voyeure.

Am heftigsten trafen mich einige Telefonate. „Jetzt hätte man kurz Zeit, aber eigentlich ist man auch schon wieder auf dem Sprung.“  Ja, seit 5 Monaten reise ich nun wieder und in diesen 5 Monaten haben 90 % der Menschen, die ich für meine Freunde hielt, keine Zeit für persönlichen Kontakt. 90 % der Menschen, die ich Freunde bezeichnete, reicht es mir auf instagram zu folgen, aber nur so, dass ich es nicht mitbekomme. Häh?  Sind das wirklich Freunde? Sind das Menschen, die ich wirklich an meinem Leben teilhaben lassen will? Am schmerzhaftesten war für mich die Einsicht, dass mich meine Menschenkenntnis wohl im Stich gelassen hatte. Frank hatte die Oberflächlichkeit von Anfang an erkannt.

Instagram sollte seit 2017 nur mein Reisetagebuch sein, für mich, für meine Kinder und meine echten Freunde. Mein technisches Unvermögen stellte den Account auf öffentlich und so blieb es dann. Es wurde ein Selbstläufer mit dem ich mich unwohler und unwohler fühle. Glücklicherweise verriet mir vor einiger Zeit jemand, wie ich Abonennten „löschen“ kann. Etwas aufwendig, doch ich habe damit bereits begonnen und führe es in den nächsten Tagen fort und das Konto wird „privat“.

Ich brauche weder stille Mitleser in meinem Lebens noch Menschen, die keine Zeit für mich HABEN. Eine Freundschaft ist wie ein Reißverschluss, die Zähne müssen einfach ineinander passen. Gewaltsam schließen bringt nichts. Wenns nicht passt, passt es nicht. Ich habe keinerlei Vorlieben mich ständig zwischen Tür und Angel abspeisen zu lassen, ihr habt nur Tür und Angel….also passt nicht.

Auf der anderen Seite sind da natürlich die 10 % der Menschen, mit denen ich ganz oft persönlichen Kontakt habe. Mit manchen sogar mehrmals täglich. Denen meine Bilder auf insta nicht reichen. Die mehr von mir wissen wollen. Menschen, die sich Zeit für mich NEHMEN und mich an ihrem Leben teilhaben lassen. Mit denen ich lache und weine trotz 3000 km Distanz. Hej, ich liebe euch ganz doll. Wie schrieb ich neulich unter Kopf.Salat: „Die Entfernung entscheidet zwischen Vermissen und Vergessen….oder irgendwas dazwischen.“ Ich vermisse euch und manches Abenteuer würde ich nur zu gern mit euch gemeinsam erleben.

Lebst du schon oder machst du noch Urlaub?

Gestern überkam mich ein Gedanke: „Ich war seit 3 Jahren nicht im Urlaub.“

Hört sich merkwürdig an, bei dem Leben, das ich führe? Ja, es gibt immer noch einige Menschen, die mein Leben fälschlicherweise als Langzeiturlaub betiteln. Sie wollen es so sehen, das ist mir mittlerweile klar.

Natürlich befinde ich mich nicht in Langzeiturlaub.

Richtig ist, ich lebe seit einigen Monaten an Orten, an denen üblicherweise Urlaub stattfindet. Der Umkehrschluss, dass dann Menschen, die dort wohnen, immer Urlaub haben, hinkt.

Ich lebe in einem beständigen zu Hause, auch wenn es Rollen hat, gehe arbeiten, kaufe ein, koche, treffe Freunde, übe Hobbies aus, werde krank, bewältige Herausforderungen, kämpfe mit Naturgewalten usw.

Richtig ist ebenfalls, ich brauche keinen Urlaub. Ich liebe mein Leben so wie es jetzt ist und kann mir gar nicht vorstellen, ohne mein zu Hause zu sein. Irgendwo hinfliegen, in einem Hotel, Ferienhaus oder ähnlichem zeitweise wohnen, eine Horrorvorstellung.

Mir stellte sich die Frage, warum ich „früher“ in Urlaub gefahren bin. Was macht den Unterschied aus? Die Antwort fand ich schnell. Bei mir war es eine Flucht aus dem Alltag. Ich brauchte Tapetenwechsel, brauchte Erholung von den von mir selbsterschaffenen Strukturen. Ich könnte es mir schönreden und sagen, ich war neugierig auf die Welt. Es wäre Selbstbetrug, denn 3 x jährlich für 2-3 Wochen wegfahren, ist weit von Abenteuer entfernt und Land/Leute lernt man definitiv nicht in dieser Zeit kennen. Ich fuhr in Urlaub, um meine Akkus aufzuladen, ohne darüber nachzudenken, welch nette Überlebensstrategie sich in mein Bewusstsein geschlichen hatte. Ein Meister der Wortspiele.

ALLTAG….nennen wir den größten Teil unseres täglichen Handelns. Oftmals als langweilig, „muss sein“, eintönig usw. betitelt. Wenn ich mir aus heutiger Sicht einen Blick, hinter den Alltag erlaube, ist er nichts Anderes als Dein und Mein und Unser Leben, nur eben mit einem anderen Wort getarnt. Der Alltag IST dein Leben und die Lebensqualität wird bestimmt, wie du dein Leben gestaltest, nach wessen Regeln du es strukturierst. Nach fremden oder nach deinen eigenen?

Ich habe meine Komfortzone verlassen. Ich setze aktuell nicht auf Sicherheit in Form von geregelter Arbeit, festem Monatseinkommen, festem Wohnsitz usw. Ich begab mich ins Ungewisse. Jeden Tag aufs Neue. Sobald sich Gewohnheit einschleicht, läuten die Alarmglocken bei mir. In die Falle, dass Leben und Alltag unterschiedliche Dinge seien, falle ich definitiv nicht mehr rein. Das Spiel habe ich durchschaut. Ich will leben und nicht überleben.

Ich habe dadurch Lebensqualität gewonnen. Das Leben ist leichter und schwerer zugleich geworden. Leichter durch die Umgebung, die ich mir schaffe und die Möglichkeit einfach zu fahren, bis zu den Orten, an denen ich mich wohl fühle. Schwerer, weil meine bisherigen Erfahrungen überhaupt nicht helfen. Die Aufgaben, die mir gestellt werden, sind neu und erlernte Methoden sind nutzlos.

Es ist kein Dauerurlaub, auch wenn du es gern so bezeichnest. Mein Leben als Dauerurlaub  und mich als Exot zu definieren, machen es dir leichter, in deiner Komfortzone zu bleiben und deinen erholsamen Jahresurlaub zu planen. Mein Leben als das zu sehen, wie es ist, ein „Alltag“ frei von Wünschen und Träumen, glücklich im Augenblick, würde dir schlaflose Nächte bereiten. Denn wenn es tatsächlich keinen Alltag, sondern nur ein Leben gibt, warum lebst du es dann nicht?

Halt rufst du? Du lebst dein Leben und fährst einfach so gern in Urlaub, weil es schön ist? Herzlichen Glückwunsch, dann gehörst du zu den wenigen Menschen, die unentgeltlich ihre Arbeit ausüben würden; die den gleichen (Bio)Rhythmus wie ihr Arbeitgeber haben; die genau dort wohnen, wo sie schon immer wohnen wollten (nicht weil es bequemer mit Kinder und Arbeitsstelle ist); die nur 2 Tage die Woche für sich und die Familie brauchen; die gern wochenlang im Voraus Treffen mit ihren Freunden planen; denen gern die Zeit fehlt; die gern ihr Leben nach Terminen ausrichten. Ja, soll es geben, schließe ich nicht aus, dürfte doch die Minderheit sein.

PS: Es reicht, wenn du die Frage, warum du in Urlaub fährst, still für dich, dafür ehrlich beantwortest. Braucht kein anderer zu wissen, dass deine Akkus leer sind 😉

Und noch etwas zum Aufwachen: Eine Leben ohne Urlaubswunsch hat nichts damit zu tun, das man beständig reist und im Wohnmobil lebt. Ich persönlich bin eine Nomadin. Ich bin glücklich, wenn ich reise. (Aktueller Stand, wer weiß was kommt) Es gibt Menschen, die sesshaft sind und keinen Sinn sehen, in den Urlaub zu fahren. Ich kenne einige, die für keinen Preis der Welt ihr zu Hause verlassen würden.  Ich habe einige kennengelernt, die sich ihre Paradiese aufgebaut haben und somit 365 Tage im Jahr trotz Arbeit im Urlaub sind. 😉 Eine Person davon ist meine allerbeste Freundin. Meine Liebe, ich habe endlich kapiert, was du mir seit Jahren sagen willst. Urlaub ist Schwachsinn und kann eine Qual sein, wenn man rundum glücklich mit seinem Leben ist. Ja, es hat „Pling“ gemacht, hat lange genug gedauert…..

Rundumsorgloswohlfühlgefühl

Ganz plötzlich ist es da. Das Gefühl, dessen Namen ich nicht kenne. Eine Mischung aus Zufriedenheit, Glück, Freude, Liebe, Frieden, Stärke, Heimat, Wärme, Sicherheit, Vertrauen und noch vieles mehr. Ein Gefühl, das ich festhalten möchte.

Es wird in vielfältigen Situationen ausglöst. Das kann in einer winzigen Bäckerei in Frankreich sein, wo ich eingequetscht zwischen Franzosen der fremden Sprache lausche und mir der Duft des frischgebackenen Baguettes in meine Nase steigt.

Genau so gut kann es ein Tag am Meer sein, das kühle Wasser prickelnd auf der Haut, die Sonne die mich trocknet und einen Salzfilm hinterlässt und der Sand zwischen meinen Zehen schubbelt.

Beim Betreten der Markthalle in Lagos, der Blick auf das bunte Treiben und das ebenso bunte Obst und Gemüse. Der Geruch nach leckeren Sachen.

Auch das JohnnyPony löst dieses besondere Gefühl aus, wenn er seine weichen und warmen Nüstern in meinen Nacken presst.

Oder wie gestern, chillend und sonnenverwöhnt in der Hängematte an einem Ort, den ich mag und umgeben von Menschen, deren Nähe ich genieße.

Schwupps ist es da, dieses wundervolle die Welt vergessende Gefühl. Anfangs schrieb ich, ich will es festhalten. Das stimmt gar nicht. Ich will es abrufen können, öfter, länger und intensiver spüren. Die Situationen sind derart verschieden, dass ich nicht bestimmen kann, wann oder wodurch es ausgelöst wird. Entweder es ist da oder eben nicht.

Ich habe die Vermutung, wenn ich dauerhaft (relativ betrachtet) vom Rundumsorgloswohlfühlgefühl begleitet werde, dass das mit „Ankommen“ gleichzusetzen ist. Allerdings kann ich nicht ausschließen, dass ich bereits angekommen bin und diese perfekten Momente mich nur daran erinnern, wie schön mein Leben ist und welches Glück ich habe, frei wählen zu können, wie ich mein Leben dekoriere.

Das Wieauchimmeresheißt-Gefühl ist aktuell mein größter Antreiber ist. Es macht süchtig.

Selbstbestimmte Pflicht

Ein Mensch an der Algarve hatte mich bereits im letzten Jahr in seinen Bann gezogen. Mehr als mit ihm getanzt, gelacht, ihm bei seiner „Arbeit“ zugesehen und kurz unterhalten, habe ich bisher nicht. Er strahlt eine unglaubliche Lebenslust, Präsenz, Authentizität und Freiheit aus, wie ich sie bei noch keinem Menschen zuvor gesehen habe. Diese Art löst in mir einen Synapsenfasching aus, Knoten lösen sich und ich blicke klar auf bisher unklare Dinge. Wer länger an der Algarve mit Kindern verbringt, kommt an ihm eigentlich nicht vorbei. Leo Lobo und sein Projekt „Circus Vagabunt“.

Heute war es mal wieder soweit und während ich seinen Umgang mit Kindern, nein mit Menschen, beobachtete, spielte sich in meinem Kopf wiedereinmal „Chaos zum Durchblick“ ab. Das Thema Schule/Schulpflicht beschäftigt mich. Es vergeht nicht ein Tag, an dem nicht irgendwer nachfragt, wie wir das denn mit der Schule unseres Kindes machen. Diese Frage macht mich manchmal wütend,manchmal sogar hilflos, denn ich kann verbal nicht ausdrücken, warum Schule (wie in Deutschland praktiziert) für mich inakzeptabel ist. Warum ich das Bedürfnis habe, mein Kind schützen zu wollen. Warum ich Schule ablehne und warum dieser Zwang ein Kind 12 Jahre lang für 8 Stunden pro Tag in ein Gebäude zu stecken, weil es 6 Jahre alt ist, auch ein Grund unserer Reise ist. Ich finde, einfach die Worte nicht dafür, weil meine Gefühle sehr komplex bei diesem Thema sind. Aber nun nach 2 Stunden Leo kann ich in der Vergangenheit davon reden. Ich FAND bisher keine Worte. Jetzt ist mir klar, was in mir vorgeht und ich kann es sagen, warum ich die Schulpflicht dermaßen in Frage stelle, dass ich dafür Deutschland verlasse:

Ein Kind ist nicht das Eigentum der Eltern und auch nicht eines Staates. Ein Kind ist kein leeres Gefäß, dass Eltern oder staatliche Institutionen füllen müssen. Ein Kind ist selbstbestimmt. Ein Kind ist ein Mensch. Menschsein ist  altersunabhängig. Weder die Eltern noch der Staat haben das Recht zu bestimmen, was ein Mensch lernt, wann ein Mensch lernt und wie ein Mensch lernt. Dieses Recht, zu bestimmen, womit, wie und wann das Hirn gefüttert wird, liegt bei jedem Menschen selbst und ist äußerst individuell und ebenfalls altersunabhängig. Volljährigkeit/Minderjährigkeit/Erwachsen/Kind sind ausschließlich rechtliche und fiktiv festgesetzte Begriffe. Ein Mensch ist ein Mensch ab seiner Geburt und das Alter eines Menschen gibt niemanden das Recht über einen anderen Menschen zu bestimmen, ihn zu unterdrücken oder mit Zwang in bestimmte Bahnen zu lenken. Nicht die jungen Menschen müssen etwas lernen, sondern wir alten Menschen müssen, ja müssen, schnell begreifen, dass es falsch ist, in Altersgrenzen zu denken. Jeder Mensch hat das Recht selbst zu entscheiden, wen er als Lehrer und Mentor wählt, egal ob dieser Mensch 0 oder 80 ist.  Wir alten sind im Zugzwang und um eine Veränderung in der Welt zu erzielen, heißt es umdenken und sich von Gewohnheiten und Glaubenssätzen verabschieden. Da mussten wir alle durch? Ein bißchen Disziplin schadet niemanden? Was soll denn sonst aus dem „Kind“ werden?Nun ja, wohin unsere Bildung und Disziplin die Erde gebracht hat, ist nicht wirklich vorzeigefähig und spricht nicht für Intelligenz. Also soviel scheint aus dir und mir trotz Schule nicht geworden zu sein 😉,sonst wäre Mutter Erde nicht so abgerockt.

Es ist nicht besonders lange her, da hatten wir Frauen keinerlei Rechte. Männer bestimmten, was richtig für Frauen sei. Wie sich das wohl angefühlt haben mag, nichts selbst bestimmen zu dürfen?  Wir haben uns befreit. Damals war es das Geschlecht, dem die Selbstbestimmtheit genommen wurde. Aktuell wird Selbstbestimmtheit anhand des Alters eines Menschen aberkannt. Es wird Zeit, dass wir Mütter und Väter unsere Kinder befreien und ihnen Gehör für ihr Recht auf Selbstbestimmtheit über Körper,Geist und Seele verschaffen.

Versucht es einmal, keiner verlangt Perfektion. Wenn ihr das nächste Mal ein „Kind“ seht, versucht es mit anderen Augen zu sehen: als fertigen Menschen, als wissenden Menschen, als ganzen Menschen, als großen Menschen, als gleichwertigen Menschen. Hört diesen Menschen mal aufmerksam und nicht nur halbherzig zu. Sie haben viel zu sagen. Lasst euch von dem Größenunterschied (ich meine ausschließlich Körpergröße) nicht irritieren oder beeinflussen.

Tja, „unser Kind“ hat sich offenbar einen Mentor gesucht und uns heute klar zu verstehen gegeben, was es JETZT lernen möchte. Nun denn, die Algarve ist doch gar nicht so schrecklich. Wir bleiben dann noch ein bißchen und verschieben unsere Weiterreise.

Aus von der Zeit

In einer Sprachnachricht einer Freundin fiel der Satz: „Genießt eure Auszeit.“ Diesen Satz hören wir genauso oft, wie „Oh wie mutig, ihr fangt neu an.“

Ich persönlich verstehe die Sätze nicht und auch nicht deren Sinn. Mein erster Impuls ist, nachzufragen, was wir neu anfangen bzw. wovon wir eine Auszeit nehmen. Das Leben beginnt grob geschätzt mit der Geburt, von mir aus auch mit der Befruchtung der Eizelle. Wie bitte sollte es neu beginnen? So mittendrin? Und was hat Reisen damit zu tun? Und wenn etwas neu anfängt, muss ja irgendwas zu Ende sein? Ich lebe immer noch. Mein Leben ist nicht zu Ende und mein Leben fängt nicht neu an. Vergangenheit und Gegenwart SIND mein Lebensweg. Einfach so. Das ist meine VITA, mein Lebensweg. Die Vergangenheit ist nicht ausgelöscht. Niemand hat Reset gedrückt und die Werkseinstellungen wiederhergestellt. Ich bin Ich seit 44 Jahren. Nichts mit neu.

Auszeit vom Leben oder wovon? Auch hier gilt: Ich nehme keine Auszeit von meinem Leben. Ich lebe mein Leben in allen Facetten, die es mir bietet. Aktuell reisend durch Europa, lebend im Wohnmobil und ohne festen Wohnsitz. Das fühlt sich nicht nach Auszeit an. Das fühlt sich nach gel(i)ebtes Leben an. Und auch das vor dem Reisen mit noch festem Wohnsitz war mein Leben, mein gel(i)ebtes und frei gewähltes Leben. Das ist mein Lebenslauf. Nichts davon erzwungen, nichts von dem ich eine „Pause“ bräuchte. Einfach mein Leben, das war und ist, wie es für mich bestimmt ist. Das Wort Auszeit nehme ich als sehr befremdlich wahr. Es bedeutet für mich, dass ich nach einem temporären Zeitraum wieder dort ansetze, wo ich vor diesem temporären Zeitraum war. Das wäre doch irgendwie Quatsch. Ich kann noch nicht an die Vergangenheit anknüpfen. Die ist doch abgelaufen. Außer ich verfüge über eine Zeitmaschine. Tue ich persönlich nicht und selbst wenn, ich würde sie nicht nutzen. Ich habe „Zurück in die Zukunft geschaut“ und weiß, dass das ganz viel durcheinander bringt, wenn man durch die Zeiten springt. Dann doch den guten sozialistischen Spruch: Vorwärts immer, rückwärts nimmer.

Ich weiß nicht, warum Menschen diese Phrasen bringen. Vielleicht unbedacht, weil es eben Phrasen sind und es irgendwie passend erscheint. Nur im Endeffekt läuft das Leben nun mal ununterbrochen bis zu dem Moment des Todes. Zack, weg bist du. Ganz einfach.

Und ich hoffe euch fällt nicht gleich die Butterstulle aus dem Gesicht: Der in Kürze anstehende Jahreswechsel ist ebenfalls kein Neuanfang. Wie ich schon letztes Jahr schrieb: Das Datum hat sich nur irgendwer ausgedacht. Am 1.1. wird nicht automatisch alles besser. 2019 wirst du nicht automatisch deine Vorsätze umsetzen. Nee, die setzt du um, wenn dein Wille stark genug ist. Sie haben nichts, absolut nichts mit einem Datum oder einer anderen Bedingung zu tun. Wenn du deine Wünsche und Träume an Bedingungen/Ereignisse in der Zukunft knüpfst, passiert nur eine Sache: Deine Zukunft wird von Tag zu Tag weniger, an dem du deine Träume ausleben kannst. Denn ganz klar ist irgendwann deine Zeit abgelaufen und dann hast genug Zeit zum Träumen.

In diesem Sinne zitiere ich meinen wundervollen 6-jährigen Sohn, der vor ein paar Tagen folgendes zum Besten gab: „Wenn ich tot bin, liege ich in einem Sarg unter der Erde. Das ist doch eng und dunkel. Da kann ich mich auch gar nicht mehr bewegen. Das muss wirklich sehr langweilig sein. Komm Mama lass uns jetzt ganz viele Abenteuer erleben, dann können wir uns daran erinnern und uns wird im Sarg nicht langweilig.“

P.S.  „Oh, du bist ein Aussteiger.“ höre ich auch oft. Dagegen habe ich keine Einwände. Ich steige mehrmals täglich aus dem Wohnmobil aus und auch wieder ein. Einsteiger hat mich jedoch noch niemand betitelt.

Community

Ich liebe es, wenn wir irgendwo allein stehen und kein anderer Mensch weit und breit zu entdecken ist. Manchmal jedoch kommt der Gedanke, wie es wohl wäre in einer/mit einer Gemeinschaft zu leben. Menschen, die sich mögen und gegenseitig unterstützen. Eine Gemeinschaft, in der jeder seine Talente zum Strahlen bringen kann.

Dann gibt es Momente, in denen ich Teil einer temporären Gemeinschaft werde, wie aktuell. Wir fuhren bewusst an einen Strand, von dem wir wussten, dass es Spielkameraden für Mateo gibt. Jede Menge neuer Freunde. Wir Erwachsenen haben ebenfalls viele Gemeinsamkeiten. Neben dem Reisen und leben im Wohnmobil, verbindet uns vor allem die Flucht aus Deutschland, um unseren Kindern eine freie unangepasste Bildung zukommen zu lassen. Ja es ist eine Flucht, denn in Deutschland haben wir keine Wahl. Es gibt keinen zulässigen Weg aus der „Gebäudeanwesenheitspflicht“ als Deutschland zu verlassen. Entweder wir sorgen dafür, dass die Kinder jeden Tag 6-8 Stunden die Schule besuchen oder wir werden kriminalisiert. Logisch, dass uns auch das Hinterfragen des gesamten deutschen Systems verbindet. Es ist meist kein Hinterfragen mehr, sondern in Anbetracht der Entwicklung in Deutschland eine klare Ablehnung. Ebenso ist uns allen die Manipulation bewusst, die wir erfahren haben. Manche stecken noch in dem Schmerz der Erkenntnis, in welcher Form sie beeinflusst wurden und nach welchen (fremden und auferlegten) Kriterien sie ihr bisheriges Leben gestalteten. Ich nenne es den Deschooling-Prozess oder Entsystematisierung. Ein durchaus schmerzhafter Prozess, der einem alles abfordert und den Frank und ich bereits größtenteils hinter uns haben. Die, die länger reisen, sind klar in der Gestaltung ihres Lebens, der Momente ihres Lebens, dem Jetzt; sind sich ihrer Stärken bewusst und strotzen vor Vertrauen in sich Selbst und Ihres Lebens. Ich nenne das Stillstand der Gedankenwelt.

Also durchaus genügend Übereinstimmungen, um ein friedvolles Miteinander zu leben. Dem ist auch so. Die Kinder spielen friedlich von morgens bis abends. Tränen gibt es nur bei Verletzungen. Niemand bestimmt über die Kinder oder zerrt verzweifelt schreiende Kinder hinter sich her, wie es mir in Deutschland ständig begegnete. Kinder werden als vollwertige Menschen anerkannt und deren Selbstbestimmungsrecht ist ein Kernpunkt dieser Gemeinschaften. Die Erwachsenen sind ausgeglichen und jeder geht seiner Aufgabe nach. Es bedarf keiner Worte, um den Rahmen dieser Gemeinschaft zu erkennen, keine Worte, um den eigenen Platz zu finden.

Mein Platz ist der einer Beobachterin. Ich habe mich nicht integriert, aus eigenem Willen. Ich will diese temporäre Gemeinschaft, die sich innerhalb von Stunden zwischen völlig fremden Menschen entwickelt (und durchaus über Monate und Jahre existieren kann), beobachten und ich bin mein eigener Beobachter. Was fühle ich? Habe ich Sehnsucht nach dieser durchaus sicheren und schützenden Konstellation? Brauche ich verbale Kommunikation? Mag ich Smalltalk? Könnte ich mich unterordnen? Wo sehe ich meinen Platz in einer solchen Gemeinschaft? Welche Gruppengröße finde ich angenehm? Usw….

Ein paar der Fragen konnte ich beantworten, doch ich spüre deutlich, dass es mich weiterzieht, dass ich nicht bleiben will. Daher geht’s morgen wieder on the road. Das ist ein eindeutiges Zeichen. Momentan bin ich nicht bereit für ein Gemeinschaftsleben. In mir arbeitet noch sehr viel, dass sich klären will, bevor ich mit anderen Menschen in dauerhafte Verbindung gehe. Noch favorisiere ich unverbindliche Kontakte. Ich bin gespannt, in welche Richtung es sich bei mir und natürlich bei uns entwickelt. Sind wir Gemeinschaftsmenschen oder Einzelkämpfer?

Tag 398: Teil 2 unserer Wanderung in der Vulkanlandschaft Garrotxa, Aufstieg zum Vulkan Santa Margarida

Nach einer regenreichen Nacht scheint am Morgen die Sonne herrlich warm und unserem Aufstieg zum Vulkan Margarida steht nichts im Wege. Als Wegzehrung machen wir uns einen Bohnensalat, selbstverständlich aus den weißen Bohnen von Santa Pau.

Verschiedene Wege führen nach Santa Margarida. Wir könnten wieder zum Parkplatz Fageda d’en Jordà – N42.154650 E2.516303 – fahren. Doch der Aufstieg von dort dauert ca. 3 ½ Stunden. Wären wir vermutlich 8-9 Stunden unterwegs. Das ist uns zu viel.

Die zweite Möglichkeit wäre direkt vom Parkplatz des Santa Margarida – N42.147922 E2.544062 – zu starten. Von dort dauert der Aufstieg ca. 30 min.

Wegweiser in Santa Pau

Wir wählen jedoch eine dritte Möglichkeit. Bei unserem gestrigen Stadtrundgang in Santa Pau stießen wir auf einen Wegweiser, der ebenfalls einen Wanderweg zum Santa Margarida auswies. Der Einstieg unserer Wanderung ist bei Placeta Sant Roc – N42.144440 E 2.569003 -.

Vulkan Rocanegra

Der weitere Streckenverlauf ist sehr gut beschildert und führt uns  an den Bohnenfeldern vorbei zum ersten Highlight dem Rocanegra und seinem tiefschwarzem Vulkangestein mit Lavabomben. Auf der Infotafel steht, dass er wöchentlich ausgebrochen sei. Weiter geht es mit einem herrlichen Weitblick über die Landschaft mit den weiteren Vulkanen, bis wir dann in das Dickicht des Santa Magarida eintauchen. Aufgrund des Starkregens in der Nacht, ist der Boden sehr rutschig und das Vorankommen aufgrund der Steigung schwierig, die Wege schmal und es gilt viele Lavabrocken zu überwinden. Frank wird der rutschige Weg zum Verhängnis und schwupps, sieht er aus, als hätte er am Schlammcatchen teilgenommen. Seinen Applaus für den unterhaltsamen Sturz hat er sicher. Die letzten km sind wirklich sehr anstrengend und steil. Der Weg von Steineichen gesäumt, verwehrt jeden Fernblick. Nach knapp 2 Stunden kommen wir oben an und stellen nach einer Verschnaufpause fest, dass auch hier die Steineichen sowohl den Blick in den Krater als auch den Fernblick verhindern. Wie eine Mauer kesseln sie uns ein. Wir sind enttäuscht nach der Anstrengung. Außerdem frieren wir. Wer kann denn ahnen, dass es in 750 m Höhe so kalt ist, wenn unten 20 Grad sind? 😉 Ich würde am liebsten umkehren.

Blick auf die Ermita

Wir gehen jedoch den Weg auf dem Kraterrand weiter und stoßen nach kurzer Zeit auf den Weg, der in den Krater führt und endlich können wir die kleine Kapelle in der Mitte des Kraters erblicken, bis wir 10 min. später selber im Krater stehen. Wir finden es beeindruckend in dem Krater eines Vulkanes zu stehen, mit dem Wissen, dass dieser mal Feuer und flüssiges Gestein spuckte und es rein theoretisch jederzeit wieder tun könnte.

Endlich im Krater

 

Der Krater hat einen Durchmesser von 300 m und die Höhe zum Kraterrand beträgt 60 m. Wir persönlich finden, dass sich der beschwerliche Anstieg gelohnt hat. Nach einer Picknickpause wird es uns jedoch zu kalt (egal wie das Wetter „unten“ ist, nehmt einfach eine warme Jacke mit) und wir wagen uns an den Abstieg. Dieser geht wider Erwarten sehr einfach und wir beobachten zwischendurch Geckos, Salamander und riesige Heuschrecken. Nach 4 Stunden und knapp 11 km sind wir wieder bei unserem Wohnmobil.

Auch diese Nacht verbringen wir wieder im gastfreundlichem Santa Pau – N42.146953 E2.568379 – , dessen Bohnen uns so köstlich schmecken, dass nun ein kleiner Vorrat mit uns mitfährt.

Mein Fazit: Garrotxa ist eine wunderschöne Gegend und einen Aufenthalt wert. Der Blick auf in die Weite und auf die Gletscher der Pyrenäen ist umwerfend. Den Croscat in seiner Farbenpracht und Größe kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Den Santa Magarida nur, wenn man wie wir, es „cool“ finden, mal in einen Krater zu klettern. Fernsicht gibt es definitiv nicht.

Santa Pau

Auf jeden Fall sollte ein Besuch der mittelalterlichen Stadt Santa Pau eingeplant werden. Beim Gang durch die schmalen Gassen konnte ich das Treiben des Mittelalters vor mir sehen. Meine Fantasie stoppte, als ich zu dem Punkt des Geruches damals kam, denn schließlich wurden die Nachttöpfe aus dem Fenster geleert. Glücklicherweise ist das heute nicht mehr der Fall.

Viel Spaß beim Erkunden der surrealen Landschaft Garrotxa

Teil 1 unserer Wanderung (Vulkan Croscat) findet ihr hier http://seelenfieber.de/2018/11/06/tag-397-teil-1-unserer-wanderung-in-der-vulkanlandschaft-garrotxa-aufstieg-vulkan-croscat/

Tag 397: Teil 1 unserer Wanderung in der Vulkanlandschaft Garrotxa, Aufstieg Vulkan Croscat

 

Der farbenprächtige Einschnitt des Vulkans Croscat unser heutiges Ziel

Der Parc Natural de la Zona Volcànica de la Garrotxa erstreckt sich auf 120 km² im Nordosten Kataloniens (nur wenige Kilometer von Figueres und Girona). Er umfasst mehr als 40 Vulkane und 20 Lavaflüsse. Alle Vulkane gelten als inaktiv aber nicht erloschen. Der letzte Ausbruch liegt ca. 10.000 Jahre zurück.  Es ist eine der größten Vulkanlandschaften Europas und ein Blick auf Google Earth weckt unser Interesse und am 5.11.2018 machen wir uns auf den Weg. Zwei Vulkane haben wir herausgepickt, die wir gern näher besichtigen würden; den Croscat, aufgrund seines Einschnittes und den Santa Magarida, aufgrund der Möglichkeit in den Krater zu steigen.

Blick auf den Croscat und dessen Einschnitt

Bereits die Anfahrt durch eine Landschaft mit halbhohen Hügeln ist atemberaubend schön. Wenn man nicht weiß, dass es sich um Vulkane handelt, denkt man, es sind einfach nur aneinandergereihte Hügelchen. Da fast alles Naturschgebiet ist, liegt nur eine dünne Besiedlung vor. Insgesamt 11 Gemeinden auf den 120 km², wobei die größte, Olot, 30.000 Einwohner hat. Es ist also Natur pur.

Wir parken unser Wohnmobil auf dem Parkplatz de La Fageda d’en Jordà (Buchenhain) – Koordinanten: N 42.154650 E2.516303 -. Je nach Jahreszeit ist dieser ein kostenpflichtiger Parkplatz. Wir haben Glück und die Schranken sind außer Betrieb. Für Wohnmobile – auch größere – ist genügend Platz. In den Sommermonaten und am Wochenende dürfte das anders aussehen.

Das Informationszentrum hatte nicht geöffnet und wir orientieren uns an den Wegweisern. Zum Vulkan Croscat führen 2 Wege. Einer unter der Unterführung und der Fageda (Buchenhain) durch. Die einfache Strecke beträgt hiernach 8.8 km.

Wir wählen den Weg, der das Informationszentrum im Rücken liegen lässt, nicht durch die Unterführung führt und mit 35 min und 2.2 km ausgeschildert ist. Das stellt sich jedoch als falsch heraus. Nach ca. 15 min Wanderung kreuzt ein weiterer Wegweiser. Auf ihm ist die Zeitangabe mit 50 min vermerkt.

Wir entscheiden uns, trotz der widersprüchlichen Angaben, weiterzulaufen. Der Weg führt auf einem schmalen Pfad durch einen Esskastanienwald und mündet auf einem breiten Weg, welcher bereits von beeindruckenden Vulkangestein gesäumt ist. Eine bizarre Landschaft bietet sich uns. Ab und an können wir bereits einen Blick auf den Grederas del Croscat (dem Einschnitt) in seiner Farbenprächtigkeit erhaschen. Mittlerweile sind wir gut 1 Stunde unterwegs. Es dauert jedoch noch weitere schweißtreibende 30 min bis wir endlich vor ihm stehen. Der Aufstieg ist teilweise sehr steil, uneben und glatt (für unseren 6-jährigen absolut kein Problem, eher ein Abenteuer).

Der winzige Punkt in der Mitte des Bildes ist Frank und dient als Größenvergleich.

Nachdem unsere Beine endgültig um ein Pause betteln, stehen wir endlich vor dem Grederas del Croscat und sind sprachlos. Der Einschnitt hat ein Höhe von ca. 150 m und zeigt die einzelnen Schichten sehr gut. An einer Infopoint ist ausführlich der Ausbruch und die Gesteinsarten erklärt.

Nach einer ausgiebigen Pause nehmen wir den gleichen Weg zurück, da wissen wir wenigstens, wie lange er dauert. An unserem Wohnmobil angekommen, haben wir knapp 10 km geschafft, wobei der Aufstieg wirklich anstrengend war. Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, empfehlen ich hier zu parken N42.152437 E2.542775.

Zumindest in der Nebensaison dürfte hier Platz für 2-3 kleinere Wohnmobile sein. Folgt dann dem Feldweg Richtung Wald. Es ist sehr gut ausgeschildert. Dauer ca. 30 min.

Übernachtung auf dem Parkplatz Fageda d’en Jordà ist sicher kein Problem. Er ist recht eben und es dürfte niemanden stören.

Da wir jedoch noch dringend einkaufen müssen, fahren wir bis Santa Pau weiter, parken direkt am Ortseingang auf dem ausgewiesenen Parkplatz (durchfahren bis zur Wiese), N42.146953 E2.568379. Ein Bäcker und ein kleiner, sehr gut sortierter und mit regionalen Produkten bestückter Supermarkt ist gegenüber an der Hauptstraße. Er verlockt uns zu einem Großeinkauf aufgrund der sehr ansprechenden Obst/Gemüseabteilung.

Santa Pau hat einen herrlichen mittelalterlichen Stadtkern, dessen Besuch sich lohnt. Eine  sehr bekannte (und leider nicht preiswerte) Delikatesse, die aus Santa Pau kommt, sind die auf Vulkangestein gewachsenen weißen Bohnen. Allerdings sind diese nur begrenzt verfügbar. Wir hatten das Glück, dass wir kurz nach der Erntezeit hier sind und können uns den Bauch mit der Köstlichkeit vollschlagen.

Nach einer sehr ruhigen Nacht wagen wir den Aufstieg zum Santa Magarida und merken schnell das der Croscat ein Kinderspiel war. Doch dazu mehr im folgenden 2. Teil unserer Vulkanwanderung.

Tag 395: Adieu Sprachabneigung

Seit 2 Wochen reisen wir durch Frankreich. Lassen uns treiben und verweilen an Stellen zu denen es uns zieht. Im letzten Oktober rasten wir in ein paar Tagen durch dieses wundervolle Land, insbesondere auch, weil ich die Sprache nicht spreche und ich eine Blockade hatte, auch nur ein Wort lernen zu wollen.

Das sieht jetzt ganz anders aus. Gleich am ersten Tage zwang ich den besten Mann mir die Aussprache zu erklären. Diese ganzen Endungen aus 3-5 Buchstaben, die aber nur 1 Lautbuchstabe sind….. Mir zwar immer noch unverständlich, warum ein z.B. eau(x) geschrieben werden muss, wenn ein O gemeint ist, aber nun gut. Das geschriebene Wort erschloss sich mir bereits im letzten Jahr. Hinzukommt, dass ich es nun sehr langsam, aber aussprechen kann. Ob es tatsächlich ein Muttersprachler versteht, sei dahingestellt.

Das tollste für mich, ich verstehe, wenn Menschen mich ansprechen. Das doofe, ich kann nicht wirklich antworten. Das wiederum tolle: Ich merke ich will antworten können. Und so entwickelte sich in den letzten 2 Wochen als erstes Mut, einfach die paar Brocken, die ich kann auch zur Anwendung zu bringen. Ich konnte sogar schon erklären, dass das nicht mein Hund ist, der hinter mir herläuft. Hörte sich vermutlich eher nach „nix mein Hund“ an, aber es wurde verstanden. Nur in der Boulangerie bestelle ich mindestens 2 Baguette. Denn die „Eins“ ist für mich nicht aussprechbar bzw. nur, wenn ich mir die Nase dabei zuhalte. Das übe ich lieber nicht in der Öffentlichkeit. Darum auch kaufe ich auch nur Baguette und kein Brot (Pain). Auch Pain klappt nur mit Nasenklammer.

Heute hatte ich jedoch ein echtes Erfolgserlebnis: Beim Spaziergang kamen wir an einer Pferdekoppel vorbei und die Pferde fesselten mich, denn sie wirkten klar und frei und unbenutzt. Ich blieb stehen. Die Pferde wurden gerade mit frischem Wasser versorgt und die beiden Franzosen luden mich auf die Koppel ein. Ich verstand wirklich jedes Wort, wie alt die Fohlen sind usw.  Und so konnte ich einen Moment mit Pferden genießen, die mit sich und er Welt zufrieden sind. Artgerecht ist nur die Freiheit bleibt jedoch weiterhin mein Motto.

Nach so vielen Jahren Abneigung der französischen Sprache will ich sie nun endlich sprechen lernen. Jetzt. Und das, wo ich auf die schneebedeckten Pyrenäen schaue und in den nächsten Tagen auf spanisch umschalten muss. Tja, so ist das Leben.

Tag 374: Oh wie schön ist Deutschland

Dieses Mal fahren wir anders, langsamer, entschleunigter, ballastfreier. Es sackt die Realität, dass Peter unser zu Hause ist. Es gibt keine Basis, keine Wohnung, kein Haus, für das wir Verantwortung tragen. Alles, was wir besitzen, haben wir bei uns auf 10 qm. (OK, bis auf einen Esslöffel, der seit heute spurlos verschwunden ist. Wo verliert man denn Löffel?) Es fühlt sich auf der einen Seite sehr frei an, auf der anderen Seite fühle ich ab und an eine bisher nicht identifizierte Angst. Sie wird mit Sicherheit in der nächsten Zeit ihr Gesicht zeigen, denn wo die Angst ist, ist der Weg.

Unser Reisetempo ist stark gedrosselt. Es gibt keinen Grund schnell zu fahren oder überhaupt zu fahren. Es gibt kein Ziel. Dort, wo wir uns wohl fühlen, bleiben wir. Momentan ist das der Odenwald, der uns seit 1 Woche in seinen Bann gezogen hat. Burgen, Schlösser, Felsenmeere, Schluchten und vor allem eine atemberaubend schöne Landschaft werden von uns erkundet. Manchmal verweilen wir länger und manchmal kehren wir einfach zurück. Wir fahren derzeit definitiv nicht nach Süden.

Wir genießen den bunten und warmen Herbst in Deutschland. Wir genießen unser Leben. Es gibt keinen Weg zum Glück. Es gibt nur glücklich sein, jetzt. Wir sind es aktuell hier im Odenwald, wer hätte das gedacht…..