Die Veränderung außen und innen

Genau kann ich den Zeitpunkt nicht benennen, doch im Herbst 2015 ließ die innere Unruhe nach und meine Gedanken beschäftigten sich vermehrt mit dem Thema reisen. Ich hielt es für Tagträumerei und nicht für ein reales Ziel. Schließlich habe ich Verpflichtungen in Form von Kindern, Beruf und noch dazu einen Pferdestall und gerade wegen letzterem ist ein verlängertes Wochenende kaum realisierbar, geschweige längere Abwesenheiten.

Zeitgleich zu dieser Träumerei wächst in mir das starke Bedürfnis auszumisten. Ich beginne mit dem vollgestopften Keller. Finde Teile, von denen ich nicht einmal mehr wusste, dass ich sie angeschafft hatte und nach einigen lukrativen Verkäufen bin ich nicht mehr zu stoppen. Schränke werden ebenfalls nach unnützem Kram durchforstet. Es fällt mir leicht mich von materiellen Gegenständen zu trennen. Ich verliere Ballast und mit jedem Stück das geht, habe ich das Gefühl besser atmen zu können. Bald sind die ersten Schränke leer und auch sie dürfen gehen. An einigen Dingen hängen Erinnerungen und ich denke, sie unbedingt behalten zu müssen.

Ich stecke sie in einem Karton in den Keller und merke sehr schnell, dass sie mir gar nicht so wichtig sind, wie ich dachte. Die Erinnerung bleibt auch ohne einen körperlichen Bezug. Sie wechseln nach und nach den Besitzer.

Ich miste nicht nur aus. Ich ändere mein Konsumverhalten. Shoppingtage gehören plötzlich der Vergangenheit an und außer Nahrung kaufe ich nichts. Mein Kleiderschrank platzt sowieso schon aus allen Nähten. Ich brauche nichts Neues.

Dann ein Spontankauf…ein teurer….Anfang März 2016 zieht Peter vor die Tür; ein 30-jähriges Wohnmobil. Das gibt mir dann doch zu denken. Wozu brauche ich ein Wohnmobil?  Ich bin jedoch bereits an einem Punkt angekommen, an dem ich mehr auf mein Bauch  höre als auf meinen Kopf und so ist die Antwort auf die Frage für mich irrelevant. Für sein Alter ist Peter in einem hervorragenden Zustand und die Restaurierung geht mir gut von der Hand.

Das Loslassen des materiellen Ballastes hat zur Folge, dass automatisch seelischer Ballast bearbeitet wird. So leicht der Verkauf eines eingestaubten und verstimmten Klaviers ist, so schwer ist es das eigene Verhalten zu ändern. Ich gehe durch eine schwere Zeit, es ist ein Sturm der in mir tobt und nicht nur einmal breche ich weinend und zitternd zusammen. Aber ich lasse mich davon nicht aufhalten; bleibe nicht auf Scherben stehen, sondern gehe weiter vorwärts. Ich beginne innerlich loszulassen. Perfektionismus, Rechthaberei, Kontrollzwang, Angst usw. haben ausgedient. An ihre Stelle treten Zuversicht, Verständnis, Ausgeglichenheit und eine wohlige Ruhe. Ich lege nach und nach die Eigenschaft des Urteilens und Bewertens über Menschen und Situationen ab. Im Laufe dieses Prozesses wird mir bewusst, dass meine Tagträumerei vom Reisen gar keine ist. Ich werde reisen und genau genommen, hat meine Reise bereits begonnen und ich habe es nicht einmal gemerkt.

Mein Wille zu Reisen versetzt Berge. Ich verschaffe mir Zeit. Erst nur ein verlängertes Wochenende, dann Wochen und es kristallisiert sich heraus, dass ich ohne Zeitlimit reisen will….Unmöglich. Oder?

 

 

 

 

 

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