Tag 24-28: Hausverbot und Meer

Die letzten Tage waren gemischt und teilweise sehr nervenaufreibend. Mittwoch bin ich auf der Finca Caravana angekommen, dem ersten spanischen Urlaub gegen Hand- Einsatz. Spanisch ist übertrieben, denn die Finca (die übrigens nur aus einem 2,2 ha flachem Land OHNE Finca besteht) ist fest in deutscher Hand.

Stellplatz und Verpflegung gegen Arbeitskraft, kenne ich ja schon und es war bisher jedes Mal eine Bereicherung. Auch dieses Mal kann man es als Bereicherung bezeichnen, allerdings der etwas anderen Art.

Meine Alarmglocken schrillten das erste Mal als bei der Arbeitseinteilung der Satz fiel: „Du als Frau hilfst in der Küche.“ Ich toleriere Sexismus nicht und mir ist klar, dass Menschen, die in solchen Kategorien denken, weit größere Probleme mit sich und der Umwelt herumschleppen.

Noch bevor ich darüber groß Nachdenken konnte, kam der zweite Knaller: „Ich hoffe du hast deine Verpflegung selbst mit, vegan ist zu anstrengend.“ Natürlich habe ich meine Verpflegung dabei, weiß ich doch welche akrobatischen Gedankengänge erforderlich sind, aus Rezepten das Fleisch zu subtrahieren und Milch durch Wasser zu ersetzen. Da braucht es definitiv einen Studienabschluss und den kann ich nicht bei allen Menschen voraussetzen.

Am 1. Tag fielen 10 Stunden Arbeitszeit an, am 2. Tag 11 Stunden. Am Abend des 2 Tages kam ich ins Grübeln, wann genau „Urlaub“ sei….Vermutlich während ich schlafe. Ich beschloss am 3. Tag das Gespräch zu suchen. Lösungsvorschläge hatte ich bereits parat: Entweder 1 Woche in der Form arbeiten, dann 1 Woche frei oder Stundenzahl täglich reduzieren oder abwechselnd 1 Tag arbeiten, 1 Tag frei oder ich werde „normaler“ Stellplatznutzer und zahle die regulären 8 EUR für 24 h. Das wäre die lustigste Alternative gewesen, denn die zahlenden Stellplatzgäste werden abends bekocht. Somit wäre ich doch noch zu meinem veganen Luxusmenü gekommen und das alles für 8 EUR. Unglaublich…

Das Gespräch mit dem zeitlich begrenzten Verwalter dauerte nicht lange. Als ich die Diskrepanz zu 8-11 Stunden Arbeit/Tag und der Kosten eines Stellplatzes auf der Finca (8 EUR/24 h) ansprach, offenbarte sich mir ein cholerisches und äußerst aggressives Gegenüber, das nicht im geringsten daran interessiert war, sachlich eine Lösung zu finden. Nö, wer am lautesten schreit hat Recht. Oder? Und wenn man mit schreien nicht weiterkommt, versucht man es mit Beschimpfungen und Beleidigungen und um das Machtgehabe perfekt zu machen, spricht man ein Hausverbot aus und gibt dem anderen 1 Stunde, um die Sachen zusammenzupacken und das Gelände zu verlassen. Ja, nicht mal als zahlender Gast durfte ich bleiben, vermutlich weil ihm einfiel, dass ich dann Essen bekomme.

Ganz kurz huschte ein Lächeln über mein Gesicht, als mir bewusst wurde, dass die Grundstücksgrenze nur 10 m hinter Peter verläuft und wenn ich die überquere, campe ich sozusagen wild und er kann weiterhin wie Rumpelstilzchen herumhüpfen. OK, ich habe mich für Meer entschlossen.

Mir ist völlig egal, was Menschen über mich denken oder sagen, denn ich weiß, alles was sie sagen, ist ein Spiegel ihrer selbst. Daran ändert auch ein Franze Marschall nichts. Was ich nicht toleriere, ist eine Mutter oder einen Vater vor den Augen und Ohren des 5-jährigen Kindes aggressiv anzugehen, zu bedrohen und zu beleidigen. Das ist nicht witzig und ein erwachsener Mann, der sich angeblich so sehr für die Belange seiner Mitmenschen einsetzt, sollte sich insoweit unter Kontrolle haben.

Die wundervolle Landschaft um Yecla herum werde ich nicht vergessen. Wir sahen Skorpione, Echsen, Gottesanbeterinnen, atemberaumende Sonnenunter- und -aufgänge, einen Sternenhimmel der Extraklasse mit unzähligen Sternschnuppen. Und ich habe zwei liebenswerte Menschen kennengelernt (und hoffe ich sehe euch bald wieder). (Wie ich heute morgen telefonisch erfahren habe, haben diese beiden Menschen zusammen mit 2 weiteren ein Hausverbot erhalten und hatten 10 min Zeit ihre Sachen zu packen. So schnell sieht man sich wieder.)

Ach und bevor mir Unterschlagung vorgeworfen wird: Ich habe doch Verpflegung bekommen, 3 Granatäpfel, 1 Handvoll Mandeln, 2 Cocktailtomaten, 1 Ei und ein Fladenbrot von 5 cm Durchmesser. Allerdings musste ich aus meinen Vorräten den Teig für das Stockbrot für 12 Personen herstellen. Wiegt sich somit wieder auf.

Nun stehe ich nur 30 m von einem Strand. 30 m hinter mir beginnen bereits Berge. Eine Kulisse, die ich so noch nicht in Spanien hatte. Wenn die Policia nichts dagegen hat, bleibe ich eine Weile hier und hoffe, das Meer spült die Erinnerungen aus Mateo heraus.

 

Der guten Ordnung halber stelle ich hiermit  ausdrücklich klar, dass einzig und allein mit dem derzeitigen Verwalter, Franze Marschall, das Gespräch geführt wurde. Der Eigentümer der Finca Caravana war weder anwesend noch daran beteiligt. Ich kenne ihn persönlich nicht.

Tag 22, 23 und folgende: Finca Caravana

Gestern auf der Finca Caravana angekommen. In einer Gegend, die sehr an afrikanische Gegebenheiten erinnert. Auf 720 m Höhe haben wir einen unbeschreiblichen 360 Grad Panoramblick, einen sternenklaren Himmel; es regnete Sternschnuppen. Wir konnten seit langem mal wieder die Spirale unserer Galaxie sehen. Der nächste Ort ist 24 km entfernt. Die Menschen hier tiefenentspannte Aussteiger….Wir bleiben vorerst, auch wenn wir bevor wir unsere Schuhe anziehen, diese kontrollieren müssen, den es gibt hier Skorpione. Ich hielt es erst für einen Scherz, doch kurz nach unserer Ankunft lief uns das erste stattliche Exemplar (ca. 8 cm) über den Weg.

Tag 21: oder so

Ach was soll ich schreiben. Mein Leben besteht nur aus Luxusproblemen: Sand in der „Wohnung“; Sonne zu heiß; Zu wenig Schatten; Meer zu salzig;  wie werde ich streifenfrei braun, Berge oder Meer; welche Uhrzeit; welcher Tag….

In der Touristenhochburg Calpe zum Strandräuber geworden: Mir ist klar, dass die von den Touristen erworbenen Heiligtümer wie Strandliegen, Surfbretter und Sandspielzeug nicht unbedingt ins Handgepäck passen….Somit liegen diese Dinge der Abreisenden natürlich abends am Strand herrenlos herum. Furchtbare Wegwerfgesellschaft, Teos Glück. Gestern eine große Schaufel gefunden und heute….erst schenkte er mir im Meer seine Taucherbrille. Dann kam er am Strand und schenkte mir noch seinen Strandstuhl, seinen Sonnenschirm und die Bodenhülse. Was für eine Beute. Frank meint, es lag an meinem „ObenOhneSonnen“. Egal. Meine Freundin Sybille sagt, ich solle ein fahrendes Secondhandgeschäft eröffnen. Sehr gute Idee. Sobald die Lager gefüllt sind, werde ich sie aufgreifen.

Aus einem bestimmten Grund, den ich hier zum Schutze des Herrn Elsner, nicht öffentlich erwähne, kann ich seit Tagen mit meinem linken Fuß nicht auftreten. Ich hoffe sehr, das gibt sich bald, denn morgen gehts auf zur Finca Caravana und meinem ersten Arbeitseinsatz, der Mandelernte.

Ansonsten: Ich kann noch nicht begreifen, dass die Flamingos hier herumlaufen, wie bei uns die Gänse. Sind nun einmal auch „nur“ Vögel. Aber superschöne.

Euch Daheimgebliebenen sende ich ganz viel Sonne und Wärme. Ich bin glücklich, sehr glücklich. Danke euch allen!

 

Tag 19: Touristen und Höhlenmenschen

Heute sind wir zu echten Touristen mutiert. Es war uns wieder nach Berge und als Ziel pickten wir uns die Coves Sant Josep heraus. Eine besondere Höhle, denn sie wird nicht zu Fuß erkundet, sondern per Boot. 45 min dauert die Fahrt auf dem unterirdischen Fluss. Ein empfehlenswertes Erlebnis.

Nach wie vor bin ich sehr froh, dass unser Peter so kurz und wendig ist. Bisher passten wir durch jede Gasse und sind auch in Spanien mautfrei.

Neulich stand auf einem Stellplatz ein Luxus Wohnmobil der Marke Concorde mit Anhänger. Mateo fand das natürlich richtig cool. Verreisen mit Waschmaschine, Backofen, Geschirrspüler und natürlich Pkw. Ich überlegte nur, wieviel ich darin putzen muss, das hatte mind. 20 qm und wie ich damit die einsamen Stellen erreicht hätte. Nö, ich würde nicht tauschen. Ich liebe den Peter.

Als  das Selbstnivellierprogramm lief und das Wohnmobil plötzlich auf Stützen stand und die Räder in der Luft hingen, fragte ich mich, ob die Räder wohl morgen noch vorhanden sein werden…..Exakt in dem Moment parkte ein Wohnmobil aus Polen zwischen Peter und dem Luxus Liner. Was war wohl mein erster Blick am Morgen? Jaja, politisch nicht korrekt und immer diese Vorurteile…Zur Strafe esse ich jetzt Sauerkraut mit Weißwurst…;-)

 

 

Tag 18: Meer und rosa Vögel

Heute fehlen mir die Worte. Nach einer Fahrt, die mehr als nur die Nerven kitzelte, landeten wir endlich im Parc Natural del Delta de l’Ebre. Für uns lag der Reiz eigentlich nur darin, dass wir kilometerlang auf einem Sandstrand fahren konnten und rechts und links MEER. Ja das war schön…und wir hatten einen unglaublichen Tag am Strand. Übernachten darf man dort nicht und da wir nachts eh die Augen schließen, machten wir uns auf dem Weg zu einem nahe gelegenen Stellplatz. Was für ein Glück. Denn gerade auf der Straße angekommen, hörte ich mich brüllen: FLAMINGOS. Hatte ich das wirklich gesagt? Ja….nach einem exakten Blick war klar: Es sind Flamingos. Erwachsene und Kinder. Jetzt lasse ich mal Bilder sprechen. Der Sonnenuntergang war übrigens auch nicht schlecht…..

Tag 17: Berg oder Meer?

Es kristallisiert sich heraus, dass die wichtigste Frage des Tages lautet: Berg oder Meer?

Gar nicht so leicht eine Einigung zu erzielen. Glücklicherweise bin ich für die Routenplanung zuständig. Heute war aber Einstimmigkeit gegeben: BERGE. So fuhren wir eine Strecke, die sich abenteuerlicher gestaltete als die gestrige Küstenstraße. Mir ist noch immer flau im Magen. Irgendwann kamen wir auf 600 m an und stehen in einem wunderschönen kleinen Bergdorf, trinken einen Wein der ansässigen Kellerei und warten auf den Meteoritenschauer.

Als ich vor einigen Tagen eine Sternschnuppe sah, fragte ich, ob ich jetzt etwas wünschen muss. Ich habe keine Wünsche mehr. Ich bin wunschlos glücklich. Daher verschenke ich die Sternschnuppe. Jeder der das liest, darf einen Wunsch äußern.

Sehr auffällig ist, dass wir von einem Anflug von Demenz heimgesucht werden. Wir können nicht mit Bestimmtheit sagen, welcher Wochentag heute ist. Ebensowenig welches Datum wir haben. Uhrzeit existiert ebenfalls nicht mehr. Es gibt nur noch Sonnenaufgang und -untergang. Klar könnten wir nachschauen oder rechnen. Aber was nützt es uns, diese Daten zu wissen? Nichts. Wir essen, wenn wir hungrig sind und schlafen, wenn wir müde sind.  Ich bin jedoch froh, dass ich meine Tagebucheinträge mit Tag XY kennzeichne, so wissen wir wenigstens, wie lange wir schon unterwegs sind.

Mateo ist  noch wach, denn auch er wartet auf die „Orioniden“. Naja, besser als auf Hämorrhoiden.

Wohin es uns morgen treibt? Vermutlich ans Meer, aber das liegt ja letztendlich in meiner Hand und was ich dem Navi ins Ohr flüstere. Psst, verratet es dem Frank nicht.

Tag 16: Sturm (der Erinnerungen)

Heute Nacht regnete es monsunartig. Wenn einen nur 30 cm vom Aludach trennen, ist das richtig laut und schlafen ist kaum möglich. Allerdings haben wir den Regen begrüßt und uns gefreut; löscht er doch die Waldbrände.

Nachdem wir unsere Wäsche gewaschen hatten, fuhren wir die wunderschöne Küstenstraße von Sant Feliu de Guixols bis Lloret de Mar. Bergauf, bergab, links, rechts….Auf der Strecke konnten wir schon sehen, welche Schäden der Sturm hinterlassen hatte und ab Lloret war dann klar, der Sturm ist nicht vorbei. Wir befinden uns mittendrin. Starkregen, Sturmböen, Überschwemmungen und meterhohe Wellen. Wir kämpften uns bis kurz vor Barcelona durch und verbringen die Nacht ausnahmsweise auf einem asphaltierten Stellplatz.

In Calella wurden Erinnerungen wach. Mit meiner besten Freundin verbrachte ich dort 2 wunderschöne Wochen. Wir waren damals beide erst 15 und ich hatte mich gleich zu Beginn in einen Spanier verliebt. Erst vor Kurzem, als ich den Keller ausmistete, fiel mir die Kette in die Hände, die er mir geschenkt hatte. Und heute sah ich den Turm auf dem Berg, wo wir so viele Stunden verbrachten. Ich erinnerte mich an den tränenreichen Abschied und andere Dinge, die ich längst vergessen hatte. 28 Jahre ist das jetzt her. Wie es ihm wohl geht…..und wie ist es mir in all den Jahren ergangen? Haben sich meine Träume und Wünsche von damals erfüllt? Nun ja, ich bin nah dran, sie wahr werden zu lassen…..

Bona nit

Tag 15: faul, fauler, am faulsten

Angenehm faul waren wir. In Anbetracht des hervorragenden Wetters an unserem Standort und des Unwetters weiter südlich sind wir kein Stück gefahren. Stattdessen eine ausgiebige Radtour  (die Fahrräder müssen doch ihre Legitimation bekommen) unternommen und den Rest des Tages wie üblich am Strand und Meer verbracht. Dabei festgestellt, dass das nicht Urlaub ist, sondern MEIN LEBEN.

Die Menschen suchen das Paradies und sehen gar nicht, dass die Erde DAS Paradies ist.

Nachdem mich eine Qualle am Fuß verbrannt hat, kam Frank spontan auf die Idee, dass es helfen würde mir auf den Fuß zu pinkeln. Ich habe darauf verzichtet und meinen Fuß stattdessen noch eine zeitlang im Meerwasser gebadet. Half auch.

Unsere Aufgabe für morgen: Eine Waschmaschine suchen und finden und benutzen.

Achja, der Sonnenaufgang über der Bucht war natürlich der Kracher.

Tag 14: Sex und Räuber

Ein Relaxtag, der in eine aufregende „Flucht“ mündete. Wir fuhren heute nur 40 km und uns begegneten einige Tramper. Nun gut, es waren nur Tramperinnen und nachdem eine von ihnen nur sehr leicht bekleidet war, fiel auch bei mir der Groschen und der Frank konnte herzhaft lachen. Es waren natürlich keine Tramperinnen. In Deutschland stehen sie schließlich mit  einem Wohnmobil an den Bundesstraßen. Ist doch verständlich, dass es diesbezüglich bei mir zu Irritationen kommt.

Wir fanden einen unglaublichen Stellplatz in erster Reihe zum Strand und genossen das Meer, die Sonne und den warmen Sand. Offenbar waren wir an einen FKK Strand geraten, worüber wir uns erst freuten. Dieses Mal fiel bei mir eher der Groschen, denn es kam mir nach einiger Zeit sehr merkwürdig vor, dass es nur nackte Männer gab, die dann hin und wieder in den Dünen verschwanden. Frank hielt es für die Siesta, dass ständig Autos parkten, die Männer kurz verschwanden und dann weiterfuhren. Ich grinste in mich hinein Weiterlesen