Tag 56 und 57: Sevilla

      

 

Eine Stadt, deren Bewohner sich Sevillaner nennen, wollte ich dann doch kennenlernen, obwohl ich eigentlich nur vorbeifahren wollte. Peter wurde 24 km weiter auf einem bewachten Stellplatz belassen, den ich jedem Wohnmobilisten nur empfehlen kann (www.multiparkinglajabega.com), die Stellplatzbetreiberin fuhr uns heute morgen zur Bushaltestelle und mit dem Schnellbus waren wir stressfrei innerhalb von 30 min mitten in Sevilla, um genau zu sein am Plaza de Espana.

Ich wusste, ich wollte die Kathedrale sehen und Real Alcazár. Ebenfalls standen zwei Märkte auf dem Programm. Ein Hippiemarkt, den ich mir hätte schenken können, und der Donnerstagsflohmarkt in der Calle Feria. Der Stadteil Macarena, in dem sich die Calle Feria befindet, ist durchzogen von kleinen Gassen wie bei einem Labyrinth. Jeder Winkel lockt zum Erkunden, das spanische Leben ist präsent. Man merkt, dass sich Touristen eher selten hierher verirren, denn es ist von den üblichen Attraktionen weit entfernt. Wir haben dort sehr viel Zeit verbracht und Sevilla von einer wunderschönen Seite kennengelernt.

Jedenfalls blieb nur noch Zeit für eine der Hauptsehenswürdigkeiten: Kathedrale oder Alcazár? Die Kathedrale ist von außen beeindruckend, sehr beeindruckend groß. Doch, da wir ins Alcazár kostenlos reinkamen, war die Entscheidung schnell klar. Anfangs dachte ich, wieso sollte man 2 Stunden für die Besichtigung eines Palastes benötigen. Ist doch nichts anderes als ein Schloss….Nun ja, ich hätte dort auch 8 Stunden verbringen können und hätte immer noch nicht alles gesehen.

Zutritt zum Palast erhält man erst nach einer ausgiebigen Sicherheitskontrolle, die deutlich strenger als am Flughafen ist. Danach kann man sich sehr frei auf dem Gelände, welches nach wie vor von der Königsfamilie bewohnt wird (sofern sie in Sevilla sind) bewegen. Die ersten beiden Gebäude erinnerten mich eher an ein Fachgeschäft für Fliesen. Die wirklich wunderschönen Fliesen bekleiden jede Wand, jeden Boden und auch die Decken. Zusätzlich sind sie dann noch in Vitrinen ausgestellt…Jede einzelne…Ich habe mich gelangweilt. Das änderte sich als ich plötzlich mitten im Palacio del Rey stand und sprachlos war. Gold an den Decken, Mosaikarbeiten an den Wänden…Ich versuchte mir vorzustellen, wie die „Bauarbeiter“ diese Schmuckstücke erstellt haben. Jede Fliese wurde handbemalt (und davon gibt es, wie ich oben schrieb, Millionen). Auch wenn ich nichts von Architektur verstehe, empfinde ich den Real Alcazár als ein Meisterwerk der Baukunst, dessen Entstehung bis in die maurische Zeit zurückreicht. Es sprengt meine Vorstellungskraft, wie ein solches prunkvolles Gebäude ohne Maschinen gebaut werden konnte.

Leider war irgendwann die Zeit vorbei und der Palast schloss die Tore. Ich wurde praktisch persönlich herausgebeten.

Sevilla, eine Großstadt mit Entschleunigungsfaktor, eine Großstadt, in der keine Hektik herrscht, sondern die Uhren etwas langsamer ticken, eine Großstadt, die einen Besuch wert ist und für den man sich mehr als 1 Tag Zeit nehmen sollte. Als die Sonne unterging, konnte ich einen kleinen Einblick in das verlockende Nachtleben gewinnen. Musiker spielten ihre Musik in den Gassen und ich wäre am liebsten irgendwo versackt. Diesem Wunsch konnte ich natürlich nicht nachgeben, denn irgendwann sind kleine Kinderbeine müde und wollen ins Bett.

Leider gehören auch in Sevilla Pferdekutschen zum Stadtbild und dienen der Bespaßung der Touristen. Mal abgesehen davon, dass ich Lebewesen grundsätzlich nicht als Entertainment ansehe, gehören Pferde nicht auf Asphalt, sondern auf große Wiesen. Pferde sind Dauerfresser und es ist Tierquälerei, sie von diesem natürlichen Bedürfnis fernzuhalten. Jedem, der grinsend eine Kutsche besteigt, sollte bewusst sein, dass er damit diese Tierqual unterstützt. Jeder, der ein wenig Mitgefühl in sich trägt, kann sehr gut erkennen, wie es den Pferden geht. Nicht nur in Sevilla, auch in Berlin, in Wien, in Marokko oder auf Mallorca.

Tag 52 bis 55: Mein erste große spanische Liebe

Als ich an der Playa de los Lances vor 8 Tagen einfuhr, waren meine Gedanken gemischt: Was für ein Strand, was für ein Blick…puh so viele Camper. Heute fuhr ich weiter mit Tränen in den Augen. Jeder benachbarte Langzeitcamper war mir ans Herz gewachsen, denn wir haben alle den gleichen Freiheitswunsch in uns. Und Tarifa, eine Stadt, die im Sturm mein Herz eroberte, eine Stadt in der ich Wurzeln schlagen könnte.

Heute habe ich meine Vorräte bei meinem Lieblingsbäcker, meinem Lieblingsgemüseladen und natürlich beim unschlagbaren Konditor aufgefüllt. Die 3 haben mein spanisch vorangetrieben. Unscheinbar hinter Fensterläden befinden sich diese Geschäfte in der Altstadt. Erst eine Gasse entlang, die kaum 50 cm breit ist, lande ich auf einem kleinen Platz mit Biogemüse/-obst und einem Bäcker. Es herrscht Leben hinter jeder einzelnen Tür, ein freudiges lautes – für mich nicht immer verständliches – Reden ist zu hören. Ich habe das Gefühl jeden einzelnen Stein zu kennen, ich habe das Gefühl zu Hause zu sein. Ich liebe es hier zu sein.

Tarifa ich komme wieder. An deinen Stränden will ich surfen lernen und dich will ich noch besser kennenlernen.

Vorerst bleiben die Erinnerungen, denn ja, ich will noch etwas mehr von Spanien und Portugal sehen. Heute führte mich mein erster Weg zur Wanderdüne nach Bolonia. Von weiten sah sie etwas unspektakulär aus und ich war enttäuscht, dafür den Umweg in Kauf genommen zu haben. Bis ich dann mittendrin in 200 m und 30 m Höhe stand. Himmel war das anstrengend und ich dachte, ich befinde mich in einer Wüste. Ein unbeschreibliches Erlebnis, dass ich jedem, der sich in Gegend befindet nur ans Herz legen kann. Ich habe die 30 m Höhe zwar nach 1 Stunde bezwungen, aber nicht die 200 m.

von weitem sieht sie sehr unscheinbar aus

 

ihre Größe offenbart sich erst, wenn man sie bezwingen will. 30 m können viel sein, sehr viel und anstrengend.

ganz oben ein traumhafter Blick mit Wüstenfeeling

Pünktlich zum Sonnenuntergang trafen wir in Conil ein. Eigentlich nur für eine Nacht. Aber dieser Geheimtipp einer anderen Familie lässt uns die Aufenthaltsdauer nochmal überdenken. Es ist wunderschön und friedlich hier.

 

Tag 50 und 51

Noch immer in Tarifa. Mein erster und letzter Blick des Tages gilt Afrika. Gestern beobachteten wir etwas Faszinierendes, was wir jedoch nicht klar einordnen können. Wir vermuten einen Sandtornado oder äquivalentes über Afrika. Ob das stimmt, wissen wir nicht.

Gegen späten Nachmittag sahen wir, dass sich über der westlichen Spitze Afrikas ein Prisma am Himmel bildete. Auf dem Foto kommt es nicht gut rüber. Es sah sehr beeindruckend aus, als würde die Sonne am Himmel dreidimensional reflektieren.

Zeitgleich lag Afrika wie in einer dichten Nebelwolke und obwohl bei uns kein Windzug wehte, waren die Wellen hoch und gewaltig und wir spürten Sand in der Luft, der sich auf der Haut absetzte.

Kurze Zeit später sahen wir dann diesen „Wirbel“ über Afrika und da er unten „dicker“ ist als am Himmel, kann es tatsächlich ein Sandtornado sein. Kann natürlich auch was ganz anderes bedeuten. Es fesselndes Schauspiel war es und heute Nacht herrschte hier ein Sturm und die Wellen, waren gigantisch. Irgendwas ist auf dem anderen Kontinent auf jeden Fall vorgegangen. Afrika ist heute so klar, wie noch nie zu sehen. Ich habe das Gefühl hinschwimmen zu können. Obwohl es nur 35-40 km sind, so fit bin ich dann doch (noch) nicht.

Die Sonne sagte gerade Gute Nacht. Ein Ereignis, dem ich nach wie vor täglich in Stille beiwohne. Die Sonne bestimmt meinen Lebensrhythmus. Wäre ich jetzt in Deutschland, wäre es den ganzen Tag nicht hell. Das feuchte Klima hätte mir einen Rheumaschub nach dem anderen beschert, meine seelische  Verfassung von Traurigkeit, Antriebslosigkeit und Müdigkeit geprägt. Seit Beginn unserer Reise habe ich nicht eine einzige Medizin benötigt. Die Sonne, die Wärme, das Licht ist lebensnotwendig. Ohne sie funktioniert unser Körper nur auf Sparflamme.

Tag 49: Impressionen

Heute bin ich angekommen. Luftlinie 35-40 km vor Afrika. Die wetterbedingten Einflüsse Afrikas deutlich zu spüren. Die Sonne brennt, der Wind ist warm und nach Sonnenuntergang sinkt die Temperatur nicht ab. Hier fühle ich mich wohl und bleibe für eine Weile.  Daher heute nur Bilder:

Start- und Landebahn und „Eingang“ zu Gibraltar

 

„Dastehender“ Künstler

Naja….

Windsor Bridge, Hängebrücke 300 m above sealevel

Wo ist das Äffchen?

Ob er oder sie wohl weiß, wie wichtig er/sie für Gibraltar ist? Nur solange Affen dort wohnen, bleibt Gibraltar in englischer Hand. Sobald sie verschwinden, gehört es zu Spanien.

Sonnenuntergang Gibraltar

Sonnenaufgang Gibraltar (immer hängt eine Wolke über dem Felsen…die sieht auch immer gleich aus)

Der Mond über Afrika

Tag 48: Klein aber englisch (Gibraltar)

Nie wieder! Och, eigentlich war es doch schön! Ich bin hin- und hergerissen. Liebe ich das kleine Königreich oder hasse ich es? Es ist definitiv eine andere Welt und ich fühlte mich wie in London. Es herrscht eine unschlagbare Touristenabzocke. Allein die Seilbahn hätte uns zu Dritt 75 EUR gekostet. Nicht mit uns und wir waren trotzdem oben. Wer gut zu Fuß ist, sollte den Aufstieg wagen. Mateo (5) hat es problemlos geschafft. Es ist etwas schwierig den Einstieg zu finden (Gibraltar ist bis dicht an den Felsen verbaut und man erkennt die Wanderwege nicht, da die Wanderung im Stadtzentrum beginnt. Erst dachte ich, wir kommen gar nicht weiter, weil Mateo ganz fasziniert den Glasbläsern zuschaute.

Das Wohnmobil blieb in Linea de la Concepción stehen. Wir parkten auf dem Stellplatz am Yachthafen (N36°9’20.2“ W5°21’15.3“). Inkl. Ver-/Entsorgung (auch Chemie WC) kostet dieser 12 EUR/24 h  (gut auf die Zeit achten, sonst wird ein weiterer Tag berechnet). Obwohl es ein Parkplatz ist, liegt die Campervan Area idyllisch. Waschmaschinen/Trockner sind auch vorhanden, kosten allerdings extra.  Es herrscht ein hohes Security-Aufgebot und ich fühlte das Wohnmobil „sicher“.

Um 11 Uhr ging es über die  Grenze, dummerweise hatten wir uns für „Fahrrad“ entschlossen, da wir den 15-20 minütigen Fußweg bis zur Innenstadt Gibraltars verkürzen wollten. Was für ein Irrglaube, jedenfalls, wenn man mit kleinem Kind unterwegs ist. Geht gar nicht. Der Verkehr ist wie in Indien und wir schoben unsere Fahrräder. Nach einem Bummel durch die Main Street wagten wir den Aufstieg. Die Wanderwege sind nach Schwierigkeitsgrad gestaffelt. Wählt man den Weg, den Mateo und ich genommen haben, sind erstmal einige Stufen zu bewältigen und man landet  bei den Monkeys (unser wichtigstes Ziel). Von dort kann man entscheiden, ob man weiter Stufen hochgeht. Dann ist man recht zügig ganz oben. Eine Straße gibt es auch. Die empfand ich als störend, da dort die Taxibusse im Minutentakt an einem vorbeirauschen.

Hier ist der Start unseres Aufstieges: N36°8.311‘ W5°21.068‘ Die Treppen sind bunt bemalt und wenn man davor steht, erkennt man die Aufschrift „Apes“. Es geht nur nach oben, den weiteren Weg kann man nicht verfehlen.  Bei Nr. 3 auf nebenstehenden Plan gibt es die Affen und die senkrechten roten ZickZack sind die Treppen für den kurzen knackigen Aufstieg.

Ein besonderes Highlight unserer Wanderung war die Hängebrücke Windsor Bridge. Die hat mich einiges an Überwindung gekostet in luftiger Höhe über etwas Wackeliges zu gehen. Ich habe es geschafft.

Mit Hoch und Runter und ausgiebiger Fotosession bei den Affen waren wir ca. 3 Stunden unterwegs.

Das begehbare Airfield ist etwas Besonderes. Schon witzig, wenn die Schranken wie bei einem Bahnübergang schließen und die Flugzeuge landen/starten, wo kurz darauf wieder die Autos fahren und Fußgänger gehen.

Gibraltar: Nie wieder…oder vielleicht doch?

Tag 47: Eat, love, travel

Ein Film, der mich sehr berührte und mich seit Jahren begleitet: Eat, pray, love. Der Film zeigt ein Leben, wie ich es mir vorstellte.

Damals träumte ich davon, meine Sachen zu packen und meinem Herzen zu folgen. Damals fehlte mir der Mut. Nun sitze ich in Andalusien, nachdem ich den Mut hatte, meinem Herzen zu folgen und mir geht seit Tagen der Film durch den Kopf.

Seit 47 Tagen mache ich nichts weiter als essen, lieben und reisen. Ich bin bei mir und nach der Unruhe, die sich die letzten Wochen einstellte, begegne ich nun der Stille in mir. Mein Bedürfnis ist, dieser Stille Raum zu geben und vor allem auch von äußerer Stille umgeben zu sein. Doch mehr als 1 Stunde am Tag ist bisher nicht möglich. Menschen quatschen wirklich unaufhörlich. Ob sie Angst vor der Stille haben? Ich könnte den ganzen Tag schweigen und der Natur lauschen. Wer denkt, das sei „Nichtstun“ der irrt. In dieser Zeit ist es möglich, die eigene Seele zu betrachten, mit all ihren Narben und all ihren Sehnsüchten. Dieser Spiegel ist nicht unbedingt angenehm. Es kann sehr unbequem sein und die innere Stille sehr laut. Es ist Wachstum.

Wie ich mein Bedürfnis nach äußerer Ruhe befriedigen werde, weiß ich noch nicht. Ich bin mir sicher, es wird sich ein Weg zeigen. Ein kleiner Anfang ist gemacht, ich habe mir im Fahrerhaus eine Höhle aus Tüchern, Decken und Kissen geschaffen. Mein Rückzugsort.

Heute ist der vorerst letzte Tag am Mittelmeer und morgen werden wir in England Affen begegnen. Mateo fragte mich soeben, ob ich  affisch könne? (Soviel zur Ruhe 😊). Nein, sagte ich, aber walisch….

Tag 46: Carlos und die Leuchtquallen

Heute verließen wir unseren luxuriösen Stellplatz und begaben uns weiter Richtung Südwesten. Bald erreichen wir das Vereinigte Königreich. Von unserem heutigen Schlafplatz können wir es jedenfalls schon sehen und irgendwie freue ich mich auf England.

Mateo hat heute für uns herzinfarktmäßig schreiend auf der A7 bei Marbella festgestellt, dass er zwei Wackelzähne hat. Zum Anderen hat er die Erfahrung gemacht, dass auch Erwachsene manchmal Recht haben. An unserem heutigen Schlafplatz tummeln sich im Meer leider einige Leuchtquallen (sehen so schön aus) und wir sagten ihm, dass es gefährlich ist, diese zu berühren. Er wusste es besser und kam uns plötzlich schreiend entgegen. Er hat eine Qualle angefasst und die Nesseln haben ihn im Gesicht, der Schulter und dem Bein erwischt. An der Schulter wird er Narben behalten. Glücklicherweise hat er nicht allergisch reagiert und nach einer Stunde mit Behandlungen durch Meerwasser, Tomatensaft, Rasierschaum und Essig ließ das Brennen nach.

Mir geht es hervorragend. Von Reisemüdigkeit keine Spur mehr, stattdessen habe ich erneut von „Carlos“ gehört und bin nicht abgeneigt ihn kennenzulernen. Er bietet wirklich einmalige unwiderstehliche Konditionen. Ich denke, ich würde ihm gern im Januar begegnen….. Wer kann schon bei 200 EUR „Nein“ sagen. Tja, who the fuck is Carlos? 😊 Ihr werdet es rechtzeitig erfahren.

Tag 45: Therme Santa Fe (Granada)

Da wir in unserer schönen Privatbucht festhängen, bleibt mir Zeit über unseren Ausflug zu der Therme Santa Fe zu berichten.

Neben der Naturtherme in Alhama de Granada wird vor allem die Naturtherme bei Santa Fe (Granada) erwähnt. Diese besteht aus insgesamt 3 Becken, die miteinander über kleine Wasserfälle verbunden sind. Auf Bildern ein traumhaftes Naturschauspiel und auch in real sind diese 3 Becken wunderschön. Aus dem obersten sprudelt 47 Grad heißes Wasser wie ein kleiner Springbrunnen aus der Erde. Interessant ist ebenfalls, dass die Quelle nicht in einer Senke, sondern auf einem Berg sprudelt. Ja, diese Quelle wäre 1000x beeindruckender als die in Alhama. Ich betone wäre, denn die Quelle bei Santa Fe hat Dauerbewohner angezogen, die sich dort häuslich eingerichtet haben. Mit dem Wohnmobil selbst sind wir bis auf 200 m herangekommen. Die restliche Strecke legte ich zu Fuß zurück, denn ohne Allrad hätten wir diesen steilen Berg nicht geschafft. Bereits innerhalb dieser 200 m begegnete mir dermaßen viel Müll, dass ich erst dachte, ich sei falsch und versehentlich auf einer Müllhalde gelandet. Je näher ich der Quelle kam, desto so schlimmer wurde es. Zerbrochenes Glas liegt in cm-dicken Schichten weiträumig herum, Plastikflaschen, Essenreste, ausgediente Möbel usw. Spanien ist nicht gerade das sauberste Land, aber so etwas war mir bis dahin nicht begegnet. Es gibt dort oben keinerlei Müllcontainer oder Sanitäranlagen und die Dauerbewohner sind vermutlich zu faul, ihren Dreck wegzuräumen und das seit Jahrzehnten.

Um nichts in der Welt hätte mich jemand in die Quellen bekommen.

Nun ja, ich hätte vermutlich auch nicht gedurft….Die Bewohner, die sich selbst als Hippies bezeichnen, haben ein Regelwerk aufgestellt und die Becken eingezäunt (mit Müll, versteht sich). Mir bleibt nur Kopfschütteln und denke, dass die Hippies nur getarnte Nes.le-Mitarbeiter waren, die versuchen einen Wasservorrat zu besetzen.

Egal wie dem auch sei, ich mag weder Hippies mit Eigentumsansprüchen noch Nes.le und Santa Fe sieht mich nicht wieder. Die Anfahrt zu dieser Quelle ist nicht empfehlenswert.

Tag 43 und 44: Leichtigkeit

Die letzten beiden Tage waren von Verabredungen geprägt. Gestern besuchte ich eine Bekannte. Leider konnte ich nicht bleiben, die Zufahrt zum Grundstück war mir doch etwas zu riskant mit dem Wohnmobil.

Heute stand ein Freilernertreffen bei Marbella auf dem Plan. Wir verbrachten eine wunderschöne Zeit mit anderen Familien am Strand und da es sich ausschließlich um spanische Familien handelte, blieb uns nichts anderes übrig, als unsere Spanischkenntnisse zu vertiefen. Verstehen klappt mittlerweile recht gut. Sprechen ist sehr holprig und besteht bei mir nur aus einzelnen Wörtern. Bis das komplette Sätze werden, dauert es noch eine Weile.

Spanische Einheimische kennen sich am besten in ihrer Umgebung aus und somit verrieten sie uns einen Platz, wo wir die Nacht verbringen können. Direkt am Strand mitten in der Natur. Es ist traumhaft hier. Und so sehr ich es liebe, an solchen Orten sein zu dürfen, umso trauriger macht es mich, dass die Menschen die ich liebe, diese Orte nur auf meinen Bildern sehen können. Ich wünsche mir oft, sie wären hier, könnten spüren, wie die Sonne den Sand, das Meer und die Haut wärmt, könnten sehen, wie prächtig die Farben des Sonnenunterganges tatsächlich sind, könnten die Blumen riechen, könnten den Sand unter den Füßen spüren, könnten die Vögel und das Meer hören und könnten diese Unsterblichkeit fühlen. Ja, die Unsterblichkeit….Meinen Kindern erzählte ich oft, dass die Lebensjahre von 14- Mitte 20 die schönsten waren. Sie sind von dem Gefühl der Unsterblichkeit und einem Gefühl, die Welt liege einem zu Füßen geprägt. Ich war der Meinung, dass diese beiden Gefühle niemals wieder im Leben kommen werden. Dass die Lebenserfahrungen einem diese Gefühle unwiederbringlich rauben. Diese Meinung kann ich nun revidieren. Vor einigen Tagen bemerkte ich plötzlich, dass exakt diese Leichtigkeit bei mir Einzug gehalten hat. Ja, mir steht die Welt offen, ich muss es nur nutzen; unsterblich bin ich zwar nicht, aber, da ich den Weg meines Herzens gehe, habe ich nicht mehr den Gedanken etwas zu verpassen. Ich bin innerlich zufrieden, ruhig und ausgeglichen. Kurz gesagt: Alles ist gut.

Tag 42: Worldschooling

Heute nahmen wir am weekly meet up der worldschooling group Andalucia teil. Das Treffen fand in La Herradura direkt an der Küste statt. Wer Lust hatte konnte mit Kayak oder SUP auf das Meer. Es war ein wundervolles Zusammensein von Familien aus allen Ecken der Welt (Norwegen, England, Canada, Dänemark, USA), die ihre Kinder selbst unterrichten oder frei lernen. Ich hatte nun schon einigen Kontakt zu Familien, die ihre Kinder nicht einem Schulsystem aussetzen. Zugegebnermaßen habe ich bei den meisten kein gutes Gefühl. Aus ihren Worten ließ sich oft eine Motivation heraushören, die mit dem Wohl des Kindes wenig zu tun hat, sondern eigentlich nur die Schule abgelehnt wird, weil die eigenen Pläne gerade anders aussehen. Zur Bildung gehört m.E. schon etwas mehr als mit dem Wohnmobil durch die Welt zu reisen oder auf Campingplätzen wohnhaft zu werden. Ich merke selbst, dass ich Mateo einiges, aber nicht alles, was er wissen möchte, beibringen kann und darüber mache ich mir Gedanken und suche Lösungen. Bei dem Treffen heute, traf ich das erste Mal auf Eltern, die nicht mit der rosaroten Brille rumlaufen „Ach wird schon werden.“ Eltern, die auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen und die Wissbegierde fördern und fordern. Denn ein Kind kann nicht erahnen, welches Wissen existiert und welches es noch zu entdecken gibt, wenn der Rahmen in der Eltern-Kind-Beziehung festgesetzt ist und Sozialkontakte aus sporadischen Treffen bestehen. Seit wir reisen ändert sich meine Sichtweise, denn ich konnte in Lebensweisen reinschnuppern. Ich kann es nicht leugnen, aber mein Gefühl ist sehr oft, dass die Kinder zwangsisoliert werden, weil die Eltern unbedingt reisen wollen und die Eltern, die am meisten rauskehren, auf die Bedürfnisse ihrer Kinder zu achten, eigentlich die sind, die die Bedürfnisse ihrer Kinder fast gar nicht beachten.

Meine Meinung zur Beschulung hat sich nicht geändert. Ich halte ein Zwangsbildungssystem mit Vermittlung von Einheitswissen genauso falsch wie die zwanghafte Reiselust mancher Eltern. Reisen bildet, ohne Frage. Erdkunde und Sprachen werden nebenbei gelernt. Auch Biologie, Astronomie, Physik kommen nicht zu kurz. Doch die Frage ist, wie gut tut es Kindern, tagtäglich 24 h nur mit Eltern und Fremden Kontakt zu haben? Ist es eine Altersfrage? Wie gut tut es Kindern, keine feste Basis zu haben? Ist es eine Charakterfrage? Wollen sie wirklich reisen? Oder hätten sie lieber einen festen Freundeskreis? Diese Fragen kann man nicht allgemeingültig beantworten, da jeder Mensch individuell ist und darauf gilt es als Eltern zu achten. Tut es meinem Kind gut, zu reisen? Was empfindet es, wenn es gerade gewonnene Freunde verabschieden muss und schlimmstenfalls noch den Satz hört: „Wo wir jetzt hinfahren, findest du ganz schnell neue.“ Ein wirklich beschämender Satz, den ich von Eltern hörte, die vorher sagten, sie achten die Bedürfnisse ihres Kindes.

Wie groß ist das Mitspracherecht der Kinder tatsächlich? Dürfen sie entscheiden, wohin die Reise geht, wie lang eine Pause ist? Ich habe nicht das Gefühl, dass es so ist. Ich habe nicht einmal das Gefühl, dass Rücksicht genommen wird, wenn ich lese, dass an einem Tag mal eben 600-800 km gefahren werden. Wo ist der Unterschied zwischen 6 Stunden stillsitzen in der Schule oder 6-10 Stunden festgeschnallt im Kindersitz? Es gibt keinen. Die Kinder sind in beiden Fällen fremdbestimmt.

In diesem Sinne: Fragt eure Kinder, was sie wirklich wollen und nehmt ihre Antwort ernst.