Tag ???: Sonne und Sprünge

Zwei Erlebnisse beschäftigten mich etwas ausgiebiger. Bei beiden „hüpfte“ Peter. Vor einer Woche stand Peter direkt neben einem als Wohnmobil ausgebauten THW-Fahrzeug. Ich war mit Mateo gerade in Peter als es fürchterlich laut knallte und Peter die Bodenhaftung verlor. Adrenalin schoss durch meine Adern. Was war passiert? Beim „Aufpumpen“ eines der hinteren Zwillingsreifen des THW-Fahrzeuges platzte dieser. Die Druckwelle ließ Peter springen. Für uns nur ein Schreck. Für die Bewohner des Gefährtes dramatischer. Der Mann und sein Sohn hockten direkt vor dem Reifen, als dieser platzte. Die Druckwelle hat eindeutige Spuren an ihren Köpfen hinterlassen und zeigte, wieviel Kraft komprimierte Luft hat. Erschreckend.

 

Das 2. Mal bewegte sich Peter vorgestern. In den Morgenstunden kam es mir komisch vor, dass er wackelte, obwohl kein Windzug wehte. Als würde jemand von außen an ihm rütteln. Zeitgleich bildeten sich auf dem Stausee vor uns Wellen. Ich fand es merkwürdig, konnte jedoch nicht einordnen, was es zu bedeuten hatte. Einige Zeit später war klar, das war ein Erdbeben (Stärke 4,9.) Das Paradies hat auch eine andere Seite. Extreme Trockenheit, monsunartige Regenfälle, Sturmfluten und Erdbeben.

Die Trockenheit macht uns wirklich Gedanken. Klar lieben wir es, wenn wie heute, die Sonne so heiß ist, wie sonst in Hannover im Sommer. Andererseits ist der Stausee, an dem wir stehen, 10 m unter seiner eigentliche Fülle und er wird seit 3 Jahren kontinuierlich weniger. Wir überlegen uns gut, wofür und wieviel Wasser wir verwenden und gehen sehr sparsam damit um. Selbst, wenn wir wie derzeit eine Dusche zur Verfügung haben, duschen wir nur sehr kurz. In Deutschland liebte ich lange unter der heißen Dusche zu stehen und klar würde ich das auch jetzt gern, aber es ist einfach nicht notwendig und wäre Wasserverschwendung. Ich wünschte, diese Sichtweise hätten die anderen Touristen auch. Leider ist eher das Gegenteil der Fall.

Momentan stehen wir gar nicht einsam und allein, sondern zwischen 7 Engländern. Eigentlich nicht unser Fall dieses kuschelige Rumgestehe, aber Mateo hat seine Freude. Er übt englisch und unterrichtet deutsch.

Uns hat er gezeigt, wie er schreiben lernen will. Da mussten wir erst einmal ein paar Tage überlegen, ob das OK ist. Er wollte WhatsApp auf sein Tablet, damit er mit seinen Brüdern/Schwester schreiben kann. Nun gut, wir haben seinem Wunsch entsprochen. (Tut uns leid ihr Lieben, dass ihr jetzt zugespamt werdet.) Wenn das seine Motivation ist, lesen/schreiben zu lernen, stehen wir dem nicht im Weg. Wir achten nur darauf, dass er nicht zu oft auf Sprachnachrichten zurückgreift. Er hat wirklich eine sehr individuelle Art zu lernen, die vermutlich in keiner Schule Berücksichtigung finden würde. Zum Anderen ist er an naturwissenschaftlichen Dingen interessiert, die erst in der 7. Klasse Thema wären. Einen Menschen aufgrund des Alters einen Bildungsstand aufzudrücken, ist nicht richtig. Menschen sollten ab ihrer Geburt die Möglichkeit haben, sich gemäß ihren Interessen zu entwickeln und nicht in „altersgemäße“ Schubladen gepresst werden. Kein Mensch lernt etwas, weil er ein gewisses Alter erreicht hat.  Es bringt rein gar nichts vom 6. Lebensjahr an für 9 Jahre – 12 Jahre ein festgeschriebenes Wissen zu vermitteln. Das lässt keinen Raum für Veränderungen, die unsere Welt dringend braucht.

 

 

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