Tag 262: Warum ich kann und du nicht

„Beneidenswert, ABER ich könnte das nicht. Job kündigen, Wohnung auflösen und ins Unbekannte gehen.“ Jedem, wirklich jedem, ob flüchtig oder vertraut mit mir bekannt, entwischt ein: „ABER ICH KÖNNTE DAS NICHT“ Warum eigentlich nicht? Ich kann es dir sagen, weil du nicht willst. Weil du Angst hast. ANGST ist der Antrieb deines Handelns und Lebens. Nicht nur deines Handelns; Angst ist die Motivationsgrundlage der meisten Menschen. Glücksfindung mittels Vermeidungsstrategie? Funktioniert das?

„Aber ich könnte das nicht“, ein Ausspruch auf Basis der Existenzangst. Ohne Job kein Geld. Ohne Geld keine Existenz. Ich kann dir sagen, du existierst trotzdem weiter. Kein Job und Geld der Welt begründet deine Existenz. Ich gehe seit 8 Jahren keiner „geregelten“ Arbeit nach. (Davor war ich ein Musterbeispiel für Pflichtbewusstsein). Ich existiere weiterhin und nage nicht am Hungertuch. Mein Selbstwert leidet unter meinem „faulen“ Dasein in keiner Weise. Im Gegenteil. Er steigt.

Jeden Tag wachst du auf und es liegen unzählige Sekunden vor dir, die du mit Dingen füllen kannst, die dich erfüllen, dir Freude bereiten, die du gern tust. Machst du das? Nein? Du „musst“ zur Arbeit, um deinen Existenzangst klein zu halten.

Veto?

Du liebst deinen Job und gehst dort gern hin? Herzlichen Glückwunsch, dann bist du einer der wenigen. Lass mich trotzdem provozieren: Würdest du deinen Job im selben oder gar größerem zeitlichen Umfang unentgeltlich ausüben?

Nein?

Warum nicht, du liebst ihn doch und was man liebt, macht man gern und beinahe pausenlos? Ich z.B. nähe stundenlang, tagelang, wochenlang, jahrelang. Oft überschreite ich eine 40-Stunden Woche. Es macht mir Spaß, es entspannt mich, ich liebe es. Es ist mir egal, ob ich dafür Geld erhalte.

Meine Motivation für mein Leben ist die Freude, Lust und Neugierde; deine Motivation für dein Leben ist die Vermeidung von Ängsten. Du fütterst deine Ängste, ich zeige meinen Ängsten den Mittelfinger.

Während du dich um deinen Lebensunterhalt sorgst, sorge ich für Unterhaltung in meinem Leben.

Welcher ist nun der wahre und richtige Weg? Beide. Der eine ist dein Weg und der andere mein Weg.

Tag 253: Deutschland will mich nicht

Offensichtlich ist an dem Sprichwort „Wie es in den Wald schallt….“ viel Wahres. Dass ich mich in Deutschland nicht wohl fühle und am liebsten sofort wieder verschwinden würde, ist kein Geheimnis. Es ist nicht meine Heimat.

Und genau diese Einstellung bekomme ich von Deutschland zurück. Seit ich in Hannover bin, geschehen „Rosi-ablehnende“ Dinge. Deutschland gibt mir klar zu verstehen: VERSCHWINDE.

Die Citipost stellt mir Briefe nicht mehr zu. Sie gehen reihenweise und ohne Ausnahme an den Absender zurück mit dem Vermerk, MICH gäbe es nicht. Ja, ja, Briefkasten ist ordnungsgemäß beschriftet. Das wiederum hatte zur Folge, dass der Zentrale Ermittlungsdienst der Stadt Hannover eingeschaltet wurde, um meinen Verbleib zu ermitteln. Da sie mich angeblich nie zu Hause angetroffen haben (die Leute, die meine Wohnung leerkaufen – tagtäglich-, haben kein Problem mich zu finden), wurde mir telefonisch mit einer Zwangsabmeldung gedroht.

Aus meiner Jugend kenne ich noch in einem Land mittels einer Mauer eingesperrt zu sein und reisen war nicht möglich. ABER bitteschön seit wann ist es in der BRD verboten,

  1. Zu reisen, auch mal länger als 3 Wochen Jahresurlaub und
  2. Sich tagsüber nicht aus der Wohnung entfernen zu dürfen?

Was habe ich verpasst? Gab es im letzten halten Jahr eine Gesetzesänderung, die ich nicht mitbekommen habe? Wurde die Freizügigkeit innerhalb der EU aufgehoben? Für alle oder nur für mich?

Dieses Hin- und Her nehme ich recht gelassen und schaue mir das Schauspiel schmunzelnd an. Von mir aus können sie mir die Staatsbürgerschaft aberkennen und mich ausweisen. Die Welt dreht sich trotzdem weiter und mein Leben ebenso.

Noch besser kann es jedoch die AOK. Grundlos fällt diesem Verein im März 2018 ein, dass ich angeblich seit August 2016!!! nicht mehr versichert sei und sie bitten ab dem Zeitpunkt um eine edle Spende von 780 EUR pro vergangenen und zukünftigen Monat. Wünschen kann man sich von mir alles, erfüllen werde ich die wenigsten Wünsche.

Fakt ist, sie haben die Jahre kommentarlos meine Arztrechnungen bezahlt, mir neue Gesundheitskarten zugesandt und noch andere Dinge bezahlt. (Tatsächlich bin ich ja auch familienversichert, eigentlich.) Blöd ist, ich bin tatsächlich nicht mehr krankenversichert, trotz Krankenversicherungspflicht in Deutschland. Ja, mir wurden Behandlungen verwehrt, meine Gesundheitskarte ist gesperrt.

Überwiegend nehme ich auch diese Situation mit einem Schmunzeln, allerdings stresst mich der Gedanke nicht krankenversichert zu sein manchmal. Bereits während unserer Reise setzte ich mich mit dem Thema Krankenversicherung und deren Sinnlosigkeit auseinander. Langzeitreisende, die ich traf sind selten krankenversichert und wenn sie einen Arzt benötigen, wird – egal in welchem Land – vorab ein Preis ausgehandelt. Auf der anderen Seite hatte aber auch noch niemand von denen etwas „Ernstes“ und Teures. Mal eben eine Bandscheiben OP oder meine damalige Bauchhöhlenschwangerschaft war bestimmt teurer als ein 100er. Klar ist aber auch, dass eine Krankenversicherung ebenfalls nur eine Pseudosicherheit ist, genauso wie das Guthaben auf dem Bankkonto, der unbefristete Arbeitsvertrag oder das monatliche sichere Einkommen.

Wenn ich eins auf der Reise lernte: Sicherheiten gibt es nicht und das Leben kann nicht versichert werden. Es endet definitiv mit dem Tod und ich hoffe für jeden Menschen, dass er bis dahin tatsächlich LEBTE. Das einzige, was wirklich wichtig und mich stressfrei leben lässt, ist:

LOSLASSEN, von dem Gedanken, dass ja irgendwann mal etwas passieren könnte. Wenn dem so ist, wird sich mit SICHERHEIT eine Lösung finden. Das ist SICHER.