Tag 374: Oh wie schön ist Deutschland

Dieses Mal fahren wir anders, langsamer, entschleunigter, ballastfreier. Es sackt die Realität, dass Peter unser zu Hause ist. Es gibt keine Basis, keine Wohnung, kein Haus, für das wir Verantwortung tragen. Alles, was wir besitzen, haben wir bei uns auf 10 qm. (OK, bis auf einen Esslöffel, der seit heute spurlos verschwunden ist. Wo verliert man denn Löffel?) Es fühlt sich auf der einen Seite sehr frei an, auf der anderen Seite fühle ich ab und an eine bisher nicht identifizierte Angst. Sie wird mit Sicherheit in der nächsten Zeit ihr Gesicht zeigen, denn wo die Angst ist, ist der Weg.

Unser Reisetempo ist stark gedrosselt. Es gibt keinen Grund schnell zu fahren oder überhaupt zu fahren. Es gibt kein Ziel. Dort, wo wir uns wohl fühlen, bleiben wir. Momentan ist das der Odenwald, der uns seit 1 Woche in seinen Bann gezogen hat. Burgen, Schlösser, Felsenmeere, Schluchten und vor allem eine atemberaubend schöne Landschaft werden von uns erkundet. Manchmal verweilen wir länger und manchmal kehren wir einfach zurück. Wir fahren derzeit definitiv nicht nach Süden.

Wir genießen den bunten und warmen Herbst in Deutschland. Wir genießen unser Leben. Es gibt keinen Weg zum Glück. Es gibt nur glücklich sein, jetzt. Wir sind es aktuell hier im Odenwald, wer hätte das gedacht…..

 

Tag 362: Die Reise geht weiter….Wohin?

1.10.2018: Wir übergeben unsere Wohnung, ziehen ins Wohnmobil und starten den Motor um 8.52 Uhr. Mir wird plötzlich klar, wie zehrend die letzten 5 Monate in Hannover waren. Der Stress mit der Wohnungsauflösung, der innere Widerstand in Deutschland zu sein, die Sehnsucht nach Portugal….Natürlich gab es wundervolle Momente mit lieben Freunden und der Familie. Doch mein Heimweh war teilweise unerträglich.

Der Motor startet und die gesamte Anspannung fällt von mir ab. In mir entsteht das Gefühl als hätte ich unser Wohnmobil niemals verlassen, als hätte es die letzten Monate in Deutschland gar nicht gegeben. Glück und Zufriedenheit macht sich im Innern breit. Ich bin zu Hause.

Wir sind schon einige Meter gefahren, da fällt die Frage, wohin fahren wir heute überhaupt? Hmm, gute Frage, Richtung Süden natürlich. Kurz vor Göttingen werden Mateo und ich unruhig. Spontan fällt die Entscheidung: Genug für heute. Wir steuern den Kiessee Göttingen an und fühlen uns gleich wohl.

 

Wie schön es ist, unserem Bauchgefühl zu folgen, stellt sich noch am Abend heraus. Mit Göttingen verbinde ich ein warmes Gefühl. Dort lebt eine Familie mit der wir engen Kontakt hatten. Vor 4 Jahren schlief dieser jedoch ein und hier am Kiessee denke ich an die lieben Menschen. Und exakt in diesem Moment erhalte ich einen Kommentar auf instagram. Ich kann es erst nicht glauben, aber es ist der männliche Part dieser Familie, der uns eine schöne Reise wünscht. Kurzerhand oute ich uns und sage grob, bis wohin unsere 1. Fahrt ging. Am Abend klopft es an unsere Wohnmobiltür und dort stehen sie. Wiedersehensfreude und Abschied in Einem. Wow, wie habe ich mich gefreut und ich freue mich immer noch. Nach 4 Jahren war sofort wieder Verbundenheit zu spüren. DANKE.

 

Heute denke ich an den Spruch, den ich gestern auf insta postete: „Wer uns sucht, ja, wer uns von ganzem Herzen sucht, von dem werden wir uns finden lassen.“ Tja, läuft 😉

Und so werden wir auch weiterhin unserem Bauch und Herzen folgen. Es gibt kein Ziel nur einen Weg.