Voyeure meines Lebens

Jeder, der meinen Blog liest, jeder der mir auf Instagram folgt oder meinen Whatsapp Status sehen kann, weiß natürlich ziemlich gut über mein Leben Bescheid. Weiß wo ich bin und was ich mache und ist in diesen Momenten virtuell Teil meines Lebens.  Es suggeriert offenbar Verbundenheit mit mir, weil man ja praktisch bei meinen Abenteuern täglich dabei ist. Es suggeriert einen Kontakt, den es aber in der Realität nicht gibt. Es ist eine recht fiktive und vor allem einseitige Angelegenheit.

Denn wer von euch postet täglich etwas aus seinem Leben? Ich weiß nämlich nicht, was ihr macht und spüre demnach keine Verbundenheit.

Bei Menschen, die mir noch bis Oktober nah standen, versuchte ich regelmäßig persönlich Kontakt aufrechtzuerhalten. Per WhatsApp, E-Mails oder Telefonate. Nachrichten werden nur sehr selten beantwortet oder mit dem Hinweis, man würde ja mein Leben anhand meiner Bilder sehen. Mir reicht das erstens nicht, um einen Kontakt aufrechtzuerhalten und zweitens weiß ich nicht, wer von meinen „Freunden“ meine Bilder sieht. Das wird mir nur angezeigt, wenn ihr entweder aufs „Herzchen“ tippt oder einen Kommentar hinterlasst. Und somit seid ihr im Endeffekt aus meiner Sicht nur heimliche Voyeure.

Am heftigsten trafen mich einige Telefonate. „Jetzt hätte man kurz Zeit, aber eigentlich ist man auch schon wieder auf dem Sprung.“  Ja, seit 5 Monaten reise ich nun wieder und in diesen 5 Monaten haben 90 % der Menschen, die ich für meine Freunde hielt, keine Zeit für persönlichen Kontakt. 90 % der Menschen, die ich Freunde bezeichnete, reicht es mir auf instagram zu folgen, aber nur so, dass ich es nicht mitbekomme. Häh?  Sind das wirklich Freunde? Sind das Menschen, die ich wirklich an meinem Leben teilhaben lassen will? Am schmerzhaftesten war für mich die Einsicht, dass mich meine Menschenkenntnis wohl im Stich gelassen hatte. Frank hatte die Oberflächlichkeit von Anfang an erkannt.

Instagram sollte seit 2017 nur mein Reisetagebuch sein, für mich, für meine Kinder und meine echten Freunde. Mein technisches Unvermögen stellte den Account auf öffentlich und so blieb es dann. Es wurde ein Selbstläufer mit dem ich mich unwohler und unwohler fühle. Glücklicherweise verriet mir vor einiger Zeit jemand, wie ich Abonennten „löschen“ kann. Etwas aufwendig, doch ich habe damit bereits begonnen und führe es in den nächsten Tagen fort und das Konto wird „privat“.

Ich brauche weder stille Mitleser in meinem Lebens noch Menschen, die keine Zeit für mich HABEN. Eine Freundschaft ist wie ein Reißverschluss, die Zähne müssen einfach ineinander passen. Gewaltsam schließen bringt nichts. Wenns nicht passt, passt es nicht. Ich habe keinerlei Vorlieben mich ständig zwischen Tür und Angel abspeisen zu lassen, ihr habt nur Tür und Angel….also passt nicht.

Auf der anderen Seite sind da natürlich die 10 % der Menschen, mit denen ich ganz oft persönlichen Kontakt habe. Mit manchen sogar mehrmals täglich. Denen meine Bilder auf insta nicht reichen. Die mehr von mir wissen wollen. Menschen, die sich Zeit für mich NEHMEN und mich an ihrem Leben teilhaben lassen. Mit denen ich lache und weine trotz 3000 km Distanz. Hej, ich liebe euch ganz doll. Wie schrieb ich neulich unter Kopf.Salat: „Die Entfernung entscheidet zwischen Vermissen und Vergessen….oder irgendwas dazwischen.“ Ich vermisse euch und manches Abenteuer würde ich nur zu gern mit euch gemeinsam erleben.

Lebst du schon oder machst du noch Urlaub?

Gestern überkam mich ein Gedanke: „Ich war seit 3 Jahren nicht im Urlaub.“

Hört sich merkwürdig an, bei dem Leben, das ich führe? Ja, es gibt immer noch einige Menschen, die mein Leben fälschlicherweise als Langzeiturlaub betiteln. Sie wollen es so sehen, das ist mir mittlerweile klar.

Natürlich befinde ich mich nicht in Langzeiturlaub.

Richtig ist, ich lebe seit einigen Monaten an Orten, an denen üblicherweise Urlaub stattfindet. Der Umkehrschluss, dass dann Menschen, die dort wohnen, immer Urlaub haben, hinkt.

Ich lebe in einem beständigen zu Hause, auch wenn es Rollen hat, gehe arbeiten, kaufe ein, koche, treffe Freunde, übe Hobbies aus, werde krank, bewältige Herausforderungen, kämpfe mit Naturgewalten usw.

Richtig ist ebenfalls, ich brauche keinen Urlaub. Ich liebe mein Leben so wie es jetzt ist und kann mir gar nicht vorstellen, ohne mein zu Hause zu sein. Irgendwo hinfliegen, in einem Hotel, Ferienhaus oder ähnlichem zeitweise wohnen, eine Horrorvorstellung.

Mir stellte sich die Frage, warum ich „früher“ in Urlaub gefahren bin. Was macht den Unterschied aus? Die Antwort fand ich schnell. Bei mir war es eine Flucht aus dem Alltag. Ich brauchte Tapetenwechsel, brauchte Erholung von den von mir selbsterschaffenen Strukturen. Ich könnte es mir schönreden und sagen, ich war neugierig auf die Welt. Es wäre Selbstbetrug, denn 3 x jährlich für 2-3 Wochen wegfahren, ist weit von Abenteuer entfernt und Land/Leute lernt man definitiv nicht in dieser Zeit kennen. Ich fuhr in Urlaub, um meine Akkus aufzuladen, ohne darüber nachzudenken, welch nette Überlebensstrategie sich in mein Bewusstsein geschlichen hatte. Ein Meister der Wortspiele.

ALLTAG….nennen wir den größten Teil unseres täglichen Handelns. Oftmals als langweilig, „muss sein“, eintönig usw. betitelt. Wenn ich mir aus heutiger Sicht einen Blick, hinter den Alltag erlaube, ist er nichts Anderes als Dein und Mein und Unser Leben, nur eben mit einem anderen Wort getarnt. Der Alltag IST dein Leben und die Lebensqualität wird bestimmt, wie du dein Leben gestaltest, nach wessen Regeln du es strukturierst. Nach fremden oder nach deinen eigenen?

Ich habe meine Komfortzone verlassen. Ich setze aktuell nicht auf Sicherheit in Form von geregelter Arbeit, festem Monatseinkommen, festem Wohnsitz usw. Ich begab mich ins Ungewisse. Jeden Tag aufs Neue. Sobald sich Gewohnheit einschleicht, läuten die Alarmglocken bei mir. In die Falle, dass Leben und Alltag unterschiedliche Dinge seien, falle ich definitiv nicht mehr rein. Das Spiel habe ich durchschaut. Ich will leben und nicht überleben.

Ich habe dadurch Lebensqualität gewonnen. Das Leben ist leichter und schwerer zugleich geworden. Leichter durch die Umgebung, die ich mir schaffe und die Möglichkeit einfach zu fahren, bis zu den Orten, an denen ich mich wohl fühle. Schwerer, weil meine bisherigen Erfahrungen überhaupt nicht helfen. Die Aufgaben, die mir gestellt werden, sind neu und erlernte Methoden sind nutzlos.

Es ist kein Dauerurlaub, auch wenn du es gern so bezeichnest. Mein Leben als Dauerurlaub  und mich als Exot zu definieren, machen es dir leichter, in deiner Komfortzone zu bleiben und deinen erholsamen Jahresurlaub zu planen. Mein Leben als das zu sehen, wie es ist, ein „Alltag“ frei von Wünschen und Träumen, glücklich im Augenblick, würde dir schlaflose Nächte bereiten. Denn wenn es tatsächlich keinen Alltag, sondern nur ein Leben gibt, warum lebst du es dann nicht?

Halt rufst du? Du lebst dein Leben und fährst einfach so gern in Urlaub, weil es schön ist? Herzlichen Glückwunsch, dann gehörst du zu den wenigen Menschen, die unentgeltlich ihre Arbeit ausüben würden; die den gleichen (Bio)Rhythmus wie ihr Arbeitgeber haben; die genau dort wohnen, wo sie schon immer wohnen wollten (nicht weil es bequemer mit Kinder und Arbeitsstelle ist); die nur 2 Tage die Woche für sich und die Familie brauchen; die gern wochenlang im Voraus Treffen mit ihren Freunden planen; denen gern die Zeit fehlt; die gern ihr Leben nach Terminen ausrichten. Ja, soll es geben, schließe ich nicht aus, dürfte doch die Minderheit sein.

PS: Es reicht, wenn du die Frage, warum du in Urlaub fährst, still für dich, dafür ehrlich beantwortest. Braucht kein anderer zu wissen, dass deine Akkus leer sind 😉

Und noch etwas zum Aufwachen: Eine Leben ohne Urlaubswunsch hat nichts damit zu tun, das man beständig reist und im Wohnmobil lebt. Ich persönlich bin eine Nomadin. Ich bin glücklich, wenn ich reise. (Aktueller Stand, wer weiß was kommt) Es gibt Menschen, die sesshaft sind und keinen Sinn sehen, in den Urlaub zu fahren. Ich kenne einige, die für keinen Preis der Welt ihr zu Hause verlassen würden.  Ich habe einige kennengelernt, die sich ihre Paradiese aufgebaut haben und somit 365 Tage im Jahr trotz Arbeit im Urlaub sind. 😉 Eine Person davon ist meine allerbeste Freundin. Meine Liebe, ich habe endlich kapiert, was du mir seit Jahren sagen willst. Urlaub ist Schwachsinn und kann eine Qual sein, wenn man rundum glücklich mit seinem Leben ist. Ja, es hat „Pling“ gemacht, hat lange genug gedauert…..