Rundumsorgloswohlfühlgefühl

Ganz plötzlich ist es da. Das Gefühl, dessen Namen ich nicht kenne. Eine Mischung aus Zufriedenheit, Glück, Freude, Liebe, Frieden, Stärke, Heimat, Wärme, Sicherheit, Vertrauen und noch vieles mehr. Ein Gefühl, das ich festhalten möchte.

Es wird in vielfältigen Situationen ausglöst. Das kann in einer winzigen Bäckerei in Frankreich sein, wo ich eingequetscht zwischen Franzosen der fremden Sprache lausche und mir der Duft des frischgebackenen Baguettes in meine Nase steigt.

Genau so gut kann es ein Tag am Meer sein, das kühle Wasser prickelnd auf der Haut, die Sonne die mich trocknet und einen Salzfilm hinterlässt und der Sand zwischen meinen Zehen schubbelt.

Beim Betreten der Markthalle in Lagos, der Blick auf das bunte Treiben und das ebenso bunte Obst und Gemüse. Der Geruch nach leckeren Sachen.

Auch das JohnnyPony löst dieses besondere Gefühl aus, wenn er seine weichen und warmen Nüstern in meinen Nacken presst.

Oder wie gestern, chillend und sonnenverwöhnt in der Hängematte an einem Ort, den ich mag und umgeben von Menschen, deren Nähe ich genieße.

Schwupps ist es da, dieses wundervolle die Welt vergessende Gefühl. Anfangs schrieb ich, ich will es festhalten. Das stimmt gar nicht. Ich will es abrufen können, öfter, länger und intensiver spüren. Die Situationen sind derart verschieden, dass ich nicht bestimmen kann, wann oder wodurch es ausgelöst wird. Entweder es ist da oder eben nicht.

Ich habe die Vermutung, wenn ich dauerhaft (relativ betrachtet) vom Rundumsorgloswohlfühlgefühl begleitet werde, dass das mit „Ankommen“ gleichzusetzen ist. Allerdings kann ich nicht ausschließen, dass ich bereits angekommen bin und diese perfekten Momente mich nur daran erinnern, wie schön mein Leben ist und welches Glück ich habe, frei wählen zu können, wie ich mein Leben dekoriere.

Das Wieauchimmeresheißt-Gefühl ist aktuell mein größter Antreiber ist. Es macht süchtig.

Tag 395: Adieu Sprachabneigung

Seit 2 Wochen reisen wir durch Frankreich. Lassen uns treiben und verweilen an Stellen zu denen es uns zieht. Im letzten Oktober rasten wir in ein paar Tagen durch dieses wundervolle Land, insbesondere auch, weil ich die Sprache nicht spreche und ich eine Blockade hatte, auch nur ein Wort lernen zu wollen.

Das sieht jetzt ganz anders aus. Gleich am ersten Tage zwang ich den besten Mann mir die Aussprache zu erklären. Diese ganzen Endungen aus 3-5 Buchstaben, die aber nur 1 Lautbuchstabe sind….. Mir zwar immer noch unverständlich, warum ein z.B. eau(x) geschrieben werden muss, wenn ein O gemeint ist, aber nun gut. Das geschriebene Wort erschloss sich mir bereits im letzten Jahr. Hinzukommt, dass ich es nun sehr langsam, aber aussprechen kann. Ob es tatsächlich ein Muttersprachler versteht, sei dahingestellt.

Das tollste für mich, ich verstehe, wenn Menschen mich ansprechen. Das doofe, ich kann nicht wirklich antworten. Das wiederum tolle: Ich merke ich will antworten können. Und so entwickelte sich in den letzten 2 Wochen als erstes Mut, einfach die paar Brocken, die ich kann auch zur Anwendung zu bringen. Ich konnte sogar schon erklären, dass das nicht mein Hund ist, der hinter mir herläuft. Hörte sich vermutlich eher nach „nix mein Hund“ an, aber es wurde verstanden. Nur in der Boulangerie bestelle ich mindestens 2 Baguette. Denn die „Eins“ ist für mich nicht aussprechbar bzw. nur, wenn ich mir die Nase dabei zuhalte. Das übe ich lieber nicht in der Öffentlichkeit. Darum auch kaufe ich auch nur Baguette und kein Brot (Pain). Auch Pain klappt nur mit Nasenklammer.

Heute hatte ich jedoch ein echtes Erfolgserlebnis: Beim Spaziergang kamen wir an einer Pferdekoppel vorbei und die Pferde fesselten mich, denn sie wirkten klar und frei und unbenutzt. Ich blieb stehen. Die Pferde wurden gerade mit frischem Wasser versorgt und die beiden Franzosen luden mich auf die Koppel ein. Ich verstand wirklich jedes Wort, wie alt die Fohlen sind usw.  Und so konnte ich einen Moment mit Pferden genießen, die mit sich und er Welt zufrieden sind. Artgerecht ist nur die Freiheit bleibt jedoch weiterhin mein Motto.

Nach so vielen Jahren Abneigung der französischen Sprache will ich sie nun endlich sprechen lernen. Jetzt. Und das, wo ich auf die schneebedeckten Pyrenäen schaue und in den nächsten Tagen auf spanisch umschalten muss. Tja, so ist das Leben.

Tag 175: Sonne satt

Heute hatte ich Langeweile und habe mittels Kalender doch gezählt, wie viele Tage wir nun schon im Wohnmobil wohnen. 175 Tage. Wow, es kommt mir vor, als wären wir erst gestern losgefahren. Ob ich jemals wieder in einer Wohnung wohnen will? An einem festen Ort? Ich kenne die Antwort bereits.

Ja, meine Seele und Portugal… Das ist so eine Sache für sich. Allerdings ist der seit Tagen herrschende Sommer in Spanien nicht zu verachten. 10 Tage verbrachten wir bei einer Bekannten, die einen Stellplatz eröffnet hatte, trafen auf alte Bekannte aus Deutschland, die eigentlich nicht mehr reisen wollten,  Teo war von morgens bis spät Abends mit Kindern irgendwo im Nirgendwo unterwegs und abends gab es Lagerfeuer mit Pfannenpizza. Vorgestern brachen wir auf. Wollten wir doch zu den heißen Quellen bei El Saladillo. Nachdem wir endlich die hässlichen Plastikplanen des Gemüseanbaus hinter uns gelassen hatten, war ich wieder einmal sprachlos über die beeindruckende Landschaft Spaniens. Ein abenteuerlicher Weg führte uns direkt ins Paradies. Es ist immer wieder faszinierend, wie heißes Wasser aus dem Erdinnern sprudelt. Irgendwann hatte sich jemand die Mühe gemacht und 4 Becken aus dem harten Lehmboden ausgehoben, so dass die Quelle nicht im angrenzenden Fluss versickert. Und während ich abends und morgens mein Bad genoss, gab es einen Fernblick gratis dazu. Traumhafte Sonnenuntergänge waren garantiert. Eine wunderschöne Energie findet man an dieser Quelle und ein fröhliches Miteinander mit den anderen Anwesenden. Die Flora und Fauna unbeschreiblich schön.

Da die Temperaturen weiter steigen, wurde es uns heute im Schwefelwasser doch etwas zu heiß und wir beschlossen, ans Meer zu fahren. Abkühlung musste her. (Sommer im Süden kommt für mich nicht in Frage, ist mir jetzt schon viel zu heiß.) Anfang November waren wir bereits in La Azohia. Mateo hatte hier schwimmen gelernt und er wollte gern nochmal an diesen tollen Strand. Vor 5 Monaten standen wir hier mit ca. 15 weiteren Wohnmobilen. Wir wussten, dass es ein typischer Überwinterungsplatz für Freisteher ist, trotzdem war ich erschrocken, als wir heute ankamen. Über 100 Wohnmobile dicht an dicht. Normalerweise eine Situation in der wir Gas geben und uns einen anderen Ort suchen. Doch Mateo zu Liebe, werden wir 1-2 Tage hier bleiben, bevor es weiter geht.

Wir haben noch weitere Tipps für tolle Naturquellen bekommen und werden nun einen „heilbadenden“ Weg nach Deutschland einschlagen.  Wann wir in Hannover eintrudeln, bleibt unser Geheimnis, damit wir uns erstmal akklimatisieren können. Einen Hinweis gibt es: Sobald die Sonne scheint und es warm ist, sind wir wohl angekommen, denn die Sonne  bringen wir natürlich mit. 😉