Tag 398: Teil 2 unserer Wanderung in der Vulkanlandschaft Garrotxa, Aufstieg zum Vulkan Santa Margarida

Nach einer regenreichen Nacht scheint am Morgen die Sonne herrlich warm und unserem Aufstieg zum Vulkan Margarida steht nichts im Wege. Als Wegzehrung machen wir uns einen Bohnensalat, selbstverständlich aus den weißen Bohnen von Santa Pau.

Verschiedene Wege führen nach Santa Margarida. Wir könnten wieder zum Parkplatz Fageda d’en Jordà – N42.154650 E2.516303 – fahren. Doch der Aufstieg von dort dauert ca. 3 ½ Stunden. Wären wir vermutlich 8-9 Stunden unterwegs. Das ist uns zu viel.

Die zweite Möglichkeit wäre direkt vom Parkplatz des Santa Margarida – N42.147922 E2.544062 – zu starten. Von dort dauert der Aufstieg ca. 30 min.

Wegweiser in Santa Pau

Wir wählen jedoch eine dritte Möglichkeit. Bei unserem gestrigen Stadtrundgang in Santa Pau stießen wir auf einen Wegweiser, der ebenfalls einen Wanderweg zum Santa Margarida auswies. Der Einstieg unserer Wanderung ist bei Placeta Sant Roc – N42.144440 E 2.569003 -.

Vulkan Rocanegra

Der weitere Streckenverlauf ist sehr gut beschildert und führt uns  an den Bohnenfeldern vorbei zum ersten Highlight dem Rocanegra und seinem tiefschwarzem Vulkangestein mit Lavabomben. Auf der Infotafel steht, dass er wöchentlich ausgebrochen sei. Weiter geht es mit einem herrlichen Weitblick über die Landschaft mit den weiteren Vulkanen, bis wir dann in das Dickicht des Santa Magarida eintauchen. Aufgrund des Starkregens in der Nacht, ist der Boden sehr rutschig und das Vorankommen aufgrund der Steigung schwierig, die Wege schmal und es gilt viele Lavabrocken zu überwinden. Frank wird der rutschige Weg zum Verhängnis und schwupps, sieht er aus, als hätte er am Schlammcatchen teilgenommen. Seinen Applaus für den unterhaltsamen Sturz hat er sicher. Die letzten km sind wirklich sehr anstrengend und steil. Der Weg von Steineichen gesäumt, verwehrt jeden Fernblick. Nach knapp 2 Stunden kommen wir oben an und stellen nach einer Verschnaufpause fest, dass auch hier die Steineichen sowohl den Blick in den Krater als auch den Fernblick verhindern. Wie eine Mauer kesseln sie uns ein. Wir sind enttäuscht nach der Anstrengung. Außerdem frieren wir. Wer kann denn ahnen, dass es in 750 m Höhe so kalt ist, wenn unten 20 Grad sind? 😉 Ich würde am liebsten umkehren.

Blick auf die Ermita

Wir gehen jedoch den Weg auf dem Kraterrand weiter und stoßen nach kurzer Zeit auf den Weg, der in den Krater führt und endlich können wir die kleine Kapelle in der Mitte des Kraters erblicken, bis wir 10 min. später selber im Krater stehen. Wir finden es beeindruckend in dem Krater eines Vulkanes zu stehen, mit dem Wissen, dass dieser mal Feuer und flüssiges Gestein spuckte und es rein theoretisch jederzeit wieder tun könnte.

Endlich im Krater

 

Der Krater hat einen Durchmesser von 300 m und die Höhe zum Kraterrand beträgt 60 m. Wir persönlich finden, dass sich der beschwerliche Anstieg gelohnt hat. Nach einer Picknickpause wird es uns jedoch zu kalt (egal wie das Wetter „unten“ ist, nehmt einfach eine warme Jacke mit) und wir wagen uns an den Abstieg. Dieser geht wider Erwarten sehr einfach und wir beobachten zwischendurch Geckos, Salamander und riesige Heuschrecken. Nach 4 Stunden und knapp 11 km sind wir wieder bei unserem Wohnmobil.

Auch diese Nacht verbringen wir wieder im gastfreundlichem Santa Pau – N42.146953 E2.568379 – , dessen Bohnen uns so köstlich schmecken, dass nun ein kleiner Vorrat mit uns mitfährt.

Mein Fazit: Garrotxa ist eine wunderschöne Gegend und einen Aufenthalt wert. Der Blick auf in die Weite und auf die Gletscher der Pyrenäen ist umwerfend. Den Croscat in seiner Farbenpracht und Größe kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Den Santa Magarida nur, wenn man wie wir, es „cool“ finden, mal in einen Krater zu klettern. Fernsicht gibt es definitiv nicht.

Santa Pau

Auf jeden Fall sollte ein Besuch der mittelalterlichen Stadt Santa Pau eingeplant werden. Beim Gang durch die schmalen Gassen konnte ich das Treiben des Mittelalters vor mir sehen. Meine Fantasie stoppte, als ich zu dem Punkt des Geruches damals kam, denn schließlich wurden die Nachttöpfe aus dem Fenster geleert. Glücklicherweise ist das heute nicht mehr der Fall.

Viel Spaß beim Erkunden der surrealen Landschaft Garrotxa

Teil 1 unserer Wanderung (Vulkan Croscat) findet ihr hier http://seelenfieber.de/2018/11/06/tag-397-teil-1-unserer-wanderung-in-der-vulkanlandschaft-garrotxa-aufstieg-vulkan-croscat/

Tag 397: Teil 1 unserer Wanderung in der Vulkanlandschaft Garrotxa, Aufstieg Vulkan Croscat

 

Der farbenprächtige Einschnitt des Vulkans Croscat unser heutiges Ziel

Der Parc Natural de la Zona Volcànica de la Garrotxa erstreckt sich auf 120 km² im Nordosten Kataloniens (nur wenige Kilometer von Figueres und Girona). Er umfasst mehr als 40 Vulkane und 20 Lavaflüsse. Alle Vulkane gelten als inaktiv aber nicht erloschen. Der letzte Ausbruch liegt ca. 10.000 Jahre zurück.  Es ist eine der größten Vulkanlandschaften Europas und ein Blick auf Google Earth weckt unser Interesse und am 5.11.2018 machen wir uns auf den Weg. Zwei Vulkane haben wir herausgepickt, die wir gern näher besichtigen würden; den Croscat, aufgrund seines Einschnittes und den Santa Magarida, aufgrund der Möglichkeit in den Krater zu steigen.

Blick auf den Croscat und dessen Einschnitt

Bereits die Anfahrt durch eine Landschaft mit halbhohen Hügeln ist atemberaubend schön. Wenn man nicht weiß, dass es sich um Vulkane handelt, denkt man, es sind einfach nur aneinandergereihte Hügelchen. Da fast alles Naturschgebiet ist, liegt nur eine dünne Besiedlung vor. Insgesamt 11 Gemeinden auf den 120 km², wobei die größte, Olot, 30.000 Einwohner hat. Es ist also Natur pur.

Wir parken unser Wohnmobil auf dem Parkplatz de La Fageda d’en Jordà (Buchenhain) – Koordinanten: N 42.154650 E2.516303 -. Je nach Jahreszeit ist dieser ein kostenpflichtiger Parkplatz. Wir haben Glück und die Schranken sind außer Betrieb. Für Wohnmobile – auch größere – ist genügend Platz. In den Sommermonaten und am Wochenende dürfte das anders aussehen.

Das Informationszentrum hatte nicht geöffnet und wir orientieren uns an den Wegweisern. Zum Vulkan Croscat führen 2 Wege. Einer unter der Unterführung und der Fageda (Buchenhain) durch. Die einfache Strecke beträgt hiernach 8.8 km.

Wir wählen den Weg, der das Informationszentrum im Rücken liegen lässt, nicht durch die Unterführung führt und mit 35 min und 2.2 km ausgeschildert ist. Das stellt sich jedoch als falsch heraus. Nach ca. 15 min Wanderung kreuzt ein weiterer Wegweiser. Auf ihm ist die Zeitangabe mit 50 min vermerkt.

Wir entscheiden uns, trotz der widersprüchlichen Angaben, weiterzulaufen. Der Weg führt auf einem schmalen Pfad durch einen Esskastanienwald und mündet auf einem breiten Weg, welcher bereits von beeindruckenden Vulkangestein gesäumt ist. Eine bizarre Landschaft bietet sich uns. Ab und an können wir bereits einen Blick auf den Grederas del Croscat (dem Einschnitt) in seiner Farbenprächtigkeit erhaschen. Mittlerweile sind wir gut 1 Stunde unterwegs. Es dauert jedoch noch weitere schweißtreibende 30 min bis wir endlich vor ihm stehen. Der Aufstieg ist teilweise sehr steil, uneben und glatt (für unseren 6-jährigen absolut kein Problem, eher ein Abenteuer).

Der winzige Punkt in der Mitte des Bildes ist Frank und dient als Größenvergleich.

Nachdem unsere Beine endgültig um ein Pause betteln, stehen wir endlich vor dem Grederas del Croscat und sind sprachlos. Der Einschnitt hat ein Höhe von ca. 150 m und zeigt die einzelnen Schichten sehr gut. An einer Infopoint ist ausführlich der Ausbruch und die Gesteinsarten erklärt.

Nach einer ausgiebigen Pause nehmen wir den gleichen Weg zurück, da wissen wir wenigstens, wie lange er dauert. An unserem Wohnmobil angekommen, haben wir knapp 10 km geschafft, wobei der Aufstieg wirklich anstrengend war. Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, empfehlen ich hier zu parken N42.152437 E2.542775.

Zumindest in der Nebensaison dürfte hier Platz für 2-3 kleinere Wohnmobile sein. Folgt dann dem Feldweg Richtung Wald. Es ist sehr gut ausgeschildert. Dauer ca. 30 min.

Übernachtung auf dem Parkplatz Fageda d’en Jordà ist sicher kein Problem. Er ist recht eben und es dürfte niemanden stören.

Da wir jedoch noch dringend einkaufen müssen, fahren wir bis Santa Pau weiter, parken direkt am Ortseingang auf dem ausgewiesenen Parkplatz (durchfahren bis zur Wiese), N42.146953 E2.568379. Ein Bäcker und ein kleiner, sehr gut sortierter und mit regionalen Produkten bestückter Supermarkt ist gegenüber an der Hauptstraße. Er verlockt uns zu einem Großeinkauf aufgrund der sehr ansprechenden Obst/Gemüseabteilung.

Santa Pau hat einen herrlichen mittelalterlichen Stadtkern, dessen Besuch sich lohnt. Eine  sehr bekannte (und leider nicht preiswerte) Delikatesse, die aus Santa Pau kommt, sind die auf Vulkangestein gewachsenen weißen Bohnen. Allerdings sind diese nur begrenzt verfügbar. Wir hatten das Glück, dass wir kurz nach der Erntezeit hier sind und können uns den Bauch mit der Köstlichkeit vollschlagen.

Nach einer sehr ruhigen Nacht wagen wir den Aufstieg zum Santa Magarida und merken schnell das der Croscat ein Kinderspiel war. Doch dazu mehr im folgenden 2. Teil unserer Vulkanwanderung.

Tag 175: Sonne satt

Heute hatte ich Langeweile und habe mittels Kalender doch gezählt, wie viele Tage wir nun schon im Wohnmobil wohnen. 175 Tage. Wow, es kommt mir vor, als wären wir erst gestern losgefahren. Ob ich jemals wieder in einer Wohnung wohnen will? An einem festen Ort? Ich kenne die Antwort bereits.

Ja, meine Seele und Portugal… Das ist so eine Sache für sich. Allerdings ist der seit Tagen herrschende Sommer in Spanien nicht zu verachten. 10 Tage verbrachten wir bei einer Bekannten, die einen Stellplatz eröffnet hatte, trafen auf alte Bekannte aus Deutschland, die eigentlich nicht mehr reisen wollten,  Teo war von morgens bis spät Abends mit Kindern irgendwo im Nirgendwo unterwegs und abends gab es Lagerfeuer mit Pfannenpizza. Vorgestern brachen wir auf. Wollten wir doch zu den heißen Quellen bei El Saladillo. Nachdem wir endlich die hässlichen Plastikplanen des Gemüseanbaus hinter uns gelassen hatten, war ich wieder einmal sprachlos über die beeindruckende Landschaft Spaniens. Ein abenteuerlicher Weg führte uns direkt ins Paradies. Es ist immer wieder faszinierend, wie heißes Wasser aus dem Erdinnern sprudelt. Irgendwann hatte sich jemand die Mühe gemacht und 4 Becken aus dem harten Lehmboden ausgehoben, so dass die Quelle nicht im angrenzenden Fluss versickert. Und während ich abends und morgens mein Bad genoss, gab es einen Fernblick gratis dazu. Traumhafte Sonnenuntergänge waren garantiert. Eine wunderschöne Energie findet man an dieser Quelle und ein fröhliches Miteinander mit den anderen Anwesenden. Die Flora und Fauna unbeschreiblich schön.

Da die Temperaturen weiter steigen, wurde es uns heute im Schwefelwasser doch etwas zu heiß und wir beschlossen, ans Meer zu fahren. Abkühlung musste her. (Sommer im Süden kommt für mich nicht in Frage, ist mir jetzt schon viel zu heiß.) Anfang November waren wir bereits in La Azohia. Mateo hatte hier schwimmen gelernt und er wollte gern nochmal an diesen tollen Strand. Vor 5 Monaten standen wir hier mit ca. 15 weiteren Wohnmobilen. Wir wussten, dass es ein typischer Überwinterungsplatz für Freisteher ist, trotzdem war ich erschrocken, als wir heute ankamen. Über 100 Wohnmobile dicht an dicht. Normalerweise eine Situation in der wir Gas geben und uns einen anderen Ort suchen. Doch Mateo zu Liebe, werden wir 1-2 Tage hier bleiben, bevor es weiter geht.

Wir haben noch weitere Tipps für tolle Naturquellen bekommen und werden nun einen „heilbadenden“ Weg nach Deutschland einschlagen.  Wann wir in Hannover eintrudeln, bleibt unser Geheimnis, damit wir uns erstmal akklimatisieren können. Einen Hinweis gibt es: Sobald die Sonne scheint und es warm ist, sind wir wohl angekommen, denn die Sonne  bringen wir natürlich mit. 😉

Tag 56 und 57: Sevilla

      

 

Eine Stadt, deren Bewohner sich Sevillaner nennen, wollte ich dann doch kennenlernen, obwohl ich eigentlich nur vorbeifahren wollte. Peter wurde 24 km weiter auf einem bewachten Stellplatz belassen, den ich jedem Wohnmobilisten nur empfehlen kann (www.multiparkinglajabega.com), die Stellplatzbetreiberin fuhr uns heute morgen zur Bushaltestelle und mit dem Schnellbus waren wir stressfrei innerhalb von 30 min mitten in Sevilla, um genau zu sein am Plaza de Espana.

Ich wusste, ich wollte die Kathedrale sehen und Real Alcazár. Ebenfalls standen zwei Märkte auf dem Programm. Ein Hippiemarkt, den ich mir hätte schenken können, und der Donnerstagsflohmarkt in der Calle Feria. Der Stadteil Macarena, in dem sich die Calle Feria befindet, ist durchzogen von kleinen Gassen wie bei einem Labyrinth. Jeder Winkel lockt zum Erkunden, das spanische Leben ist präsent. Man merkt, dass sich Touristen eher selten hierher verirren, denn es ist von den üblichen Attraktionen weit entfernt. Wir haben dort sehr viel Zeit verbracht und Sevilla von einer wunderschönen Seite kennengelernt.

Jedenfalls blieb nur noch Zeit für eine der Hauptsehenswürdigkeiten: Kathedrale oder Alcazár? Die Kathedrale ist von außen beeindruckend, sehr beeindruckend groß. Doch, da wir ins Alcazár kostenlos reinkamen, war die Entscheidung schnell klar. Anfangs dachte ich, wieso sollte man 2 Stunden für die Besichtigung eines Palastes benötigen. Ist doch nichts anderes als ein Schloss….Nun ja, ich hätte dort auch 8 Stunden verbringen können und hätte immer noch nicht alles gesehen.

Zutritt zum Palast erhält man erst nach einer ausgiebigen Sicherheitskontrolle, die deutlich strenger als am Flughafen ist. Danach kann man sich sehr frei auf dem Gelände, welches nach wie vor von der Königsfamilie bewohnt wird (sofern sie in Sevilla sind) bewegen. Die ersten beiden Gebäude erinnerten mich eher an ein Fachgeschäft für Fliesen. Die wirklich wunderschönen Fliesen bekleiden jede Wand, jeden Boden und auch die Decken. Zusätzlich sind sie dann noch in Vitrinen ausgestellt…Jede einzelne…Ich habe mich gelangweilt. Das änderte sich als ich plötzlich mitten im Palacio del Rey stand und sprachlos war. Gold an den Decken, Mosaikarbeiten an den Wänden…Ich versuchte mir vorzustellen, wie die „Bauarbeiter“ diese Schmuckstücke erstellt haben. Jede Fliese wurde handbemalt (und davon gibt es, wie ich oben schrieb, Millionen). Auch wenn ich nichts von Architektur verstehe, empfinde ich den Real Alcazár als ein Meisterwerk der Baukunst, dessen Entstehung bis in die maurische Zeit zurückreicht. Es sprengt meine Vorstellungskraft, wie ein solches prunkvolles Gebäude ohne Maschinen gebaut werden konnte.

Leider war irgendwann die Zeit vorbei und der Palast schloss die Tore. Ich wurde praktisch persönlich herausgebeten.

Sevilla, eine Großstadt mit Entschleunigungsfaktor, eine Großstadt, in der keine Hektik herrscht, sondern die Uhren etwas langsamer ticken, eine Großstadt, die einen Besuch wert ist und für den man sich mehr als 1 Tag Zeit nehmen sollte. Als die Sonne unterging, konnte ich einen kleinen Einblick in das verlockende Nachtleben gewinnen. Musiker spielten ihre Musik in den Gassen und ich wäre am liebsten irgendwo versackt. Diesem Wunsch konnte ich natürlich nicht nachgeben, denn irgendwann sind kleine Kinderbeine müde und wollen ins Bett.

Leider gehören auch in Sevilla Pferdekutschen zum Stadtbild und dienen der Bespaßung der Touristen. Mal abgesehen davon, dass ich Lebewesen grundsätzlich nicht als Entertainment ansehe, gehören Pferde nicht auf Asphalt, sondern auf große Wiesen. Pferde sind Dauerfresser und es ist Tierquälerei, sie von diesem natürlichen Bedürfnis fernzuhalten. Jedem, der grinsend eine Kutsche besteigt, sollte bewusst sein, dass er damit diese Tierqual unterstützt. Jeder, der ein wenig Mitgefühl in sich trägt, kann sehr gut erkennen, wie es den Pferden geht. Nicht nur in Sevilla, auch in Berlin, in Wien, in Marokko oder auf Mallorca.

Tag 50 und 51

Noch immer in Tarifa. Mein erster und letzter Blick des Tages gilt Afrika. Gestern beobachteten wir etwas Faszinierendes, was wir jedoch nicht klar einordnen können. Wir vermuten einen Sandtornado oder äquivalentes über Afrika. Ob das stimmt, wissen wir nicht.

Gegen späten Nachmittag sahen wir, dass sich über der westlichen Spitze Afrikas ein Prisma am Himmel bildete. Auf dem Foto kommt es nicht gut rüber. Es sah sehr beeindruckend aus, als würde die Sonne am Himmel dreidimensional reflektieren.

Zeitgleich lag Afrika wie in einer dichten Nebelwolke und obwohl bei uns kein Windzug wehte, waren die Wellen hoch und gewaltig und wir spürten Sand in der Luft, der sich auf der Haut absetzte.

Kurze Zeit später sahen wir dann diesen „Wirbel“ über Afrika und da er unten „dicker“ ist als am Himmel, kann es tatsächlich ein Sandtornado sein. Kann natürlich auch was ganz anderes bedeuten. Es fesselndes Schauspiel war es und heute Nacht herrschte hier ein Sturm und die Wellen, waren gigantisch. Irgendwas ist auf dem anderen Kontinent auf jeden Fall vorgegangen. Afrika ist heute so klar, wie noch nie zu sehen. Ich habe das Gefühl hinschwimmen zu können. Obwohl es nur 35-40 km sind, so fit bin ich dann doch (noch) nicht.

Die Sonne sagte gerade Gute Nacht. Ein Ereignis, dem ich nach wie vor täglich in Stille beiwohne. Die Sonne bestimmt meinen Lebensrhythmus. Wäre ich jetzt in Deutschland, wäre es den ganzen Tag nicht hell. Das feuchte Klima hätte mir einen Rheumaschub nach dem anderen beschert, meine seelische  Verfassung von Traurigkeit, Antriebslosigkeit und Müdigkeit geprägt. Seit Beginn unserer Reise habe ich nicht eine einzige Medizin benötigt. Die Sonne, die Wärme, das Licht ist lebensnotwendig. Ohne sie funktioniert unser Körper nur auf Sparflamme.

Tag 46: Carlos und die Leuchtquallen

Heute verließen wir unseren luxuriösen Stellplatz und begaben uns weiter Richtung Südwesten. Bald erreichen wir das Vereinigte Königreich. Von unserem heutigen Schlafplatz können wir es jedenfalls schon sehen und irgendwie freue ich mich auf England.

Mateo hat heute für uns herzinfarktmäßig schreiend auf der A7 bei Marbella festgestellt, dass er zwei Wackelzähne hat. Zum Anderen hat er die Erfahrung gemacht, dass auch Erwachsene manchmal Recht haben. An unserem heutigen Schlafplatz tummeln sich im Meer leider einige Leuchtquallen (sehen so schön aus) und wir sagten ihm, dass es gefährlich ist, diese zu berühren. Er wusste es besser und kam uns plötzlich schreiend entgegen. Er hat eine Qualle angefasst und die Nesseln haben ihn im Gesicht, der Schulter und dem Bein erwischt. An der Schulter wird er Narben behalten. Glücklicherweise hat er nicht allergisch reagiert und nach einer Stunde mit Behandlungen durch Meerwasser, Tomatensaft, Rasierschaum und Essig ließ das Brennen nach.

Mir geht es hervorragend. Von Reisemüdigkeit keine Spur mehr, stattdessen habe ich erneut von „Carlos“ gehört und bin nicht abgeneigt ihn kennenzulernen. Er bietet wirklich einmalige unwiderstehliche Konditionen. Ich denke, ich würde ihm gern im Januar begegnen….. Wer kann schon bei 200 EUR „Nein“ sagen. Tja, who the fuck is Carlos? 😊 Ihr werdet es rechtzeitig erfahren.

Tag 38 und 39: Minusgrade und heiße Quellen

Die Berg- und Talfahrt war definitiv ein Abenteuer, aber Peter hat die 2000 m geknackt als würde er nie etwas anderes machen. Ein Hoch auf den 30-jährigen. Die Straßen waren wie vermutet. Von der Breite her deutlich Einbahnstraßenniveau, sind natürlich keine und Gegenverkehr ist das Schlimmste, was passieren kann. Leitplanken werden auch überbewertet und an manchen Stellen geht es einige 100 m in die Tiefe. Manchmal wird die Straße durch freilaufende Kühe blockiert. Interessant auch die Verkehrsschilder, die einen alle 100 m darauf hinweisen, vor jeder Kurve die Hupe zu bedienen, damit man hört, wenn bereits jemand im Kurvenbereich fährt. Bei 2000 m Höhe ist sicherlich jedem vorstellbar, dass die gesamte Strecke nur aus Kurven besteht und die Hupe somit im Dauerbetrieb ist.

Ganz oben wurde ich dann mit Minusgraden und dick zugefrorenen Pfützen begrüßt. War das kalt. Die Nacht auf 1200 m war schon eisig.

Das Quellwasser vom höchsten Punkt ist nun in unsere Tanks verfüllt und schmeckt ausgesprochen frisch und lecker.

Ganz nebenbei wurde auf dem Höhenflug „Luft (druck)“ sichtbar gemacht. Auf Meeresniveau unsere Wasserflaschen/kanister zugedreht. Auf 2000 m Höhe hatten sie  sich aufgebläht wie Ballons und beim Öffnen zischte die Luft heraus und teilweise flog der Deckel mit Schwung durch das Wohnmobil. Andersherum funktionierte es auch. Auf 2000 m die dünne Luft eingefangen und auf 0 m waren die Flaschen und Kanister völlig zusammengezogen. Sahen aus wie zerknüllt. Physik zum Anfassen.

Die Nacht verbrachten wir auf nur 800 m Höhe an einem herrlichen Stausee. Tagsüber T-Shirt und nachts dicke Socken und Pullover.

Die Distanz zum Meer beträgt gerade 30 km, doch durch den Höhenunterschied ist ein gravierender Temperaturunterschied zu spüren. Jetzt bin ich wieder am Meer und die Heizung kann ausgeschaltet bleiben.

Heute morgen haben wir uns ein besonderes Erlebnis gegönnt. Die heiße Quelle in Alhama de Granada. Die letzten 2 km zur Quelle waren heftig. Links und rechts hohe Felsen oder tiefe Schluchten und die Straße nur autobreit, natürlich mit Gegenverkehr. Aber die Quelle entschädigte. 40 Grad warmes Wasser lud uns zum stundenlangen Baden ein bis wir ganz verschrumpelt waren. Wäre die Parkplatzsituation dort eine andere, würde ich glatt nochmal hinfahren.

Nun hat uns die Küste Südspaniens wieder. Ich vermisse die Einsamkeit in den Bergen, denn die freien Stehplätze an der Küste sind dicht besiedelt. Ich denke um die 50 Mobile stehen mit uns hier. So hatte ich es mir nicht vorgestellt.

Und den heißen Quellen in Santa Fe widme ich einen Extrabeitrag.

Tag 30, 31 und 32: Mehr Meer

(Während ich diesen Beitrag schrieb, wanderten meine Augen ab und an aufs Meer und ich dachte: Was für merkwürdige Wellen dort hinten bis es endlich „click“ machte. Keine Wellen, Delfine. Zwar nur mit Fernglas zu erkennen, aber  mein großer Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Ich habe freie Delfine gesehen.)

Ich kann nicht genug vom Meer bekommen und es wird auch gar nicht langweilig. Nachdem die morgendlichen Temperaturen sich bei 18-20 Grad einpegelten und ich tatsächlich fror, verließen wir unseren geliebten Stellplatz an der Playa Azohia und machten einen Abstecher zur legendären „Ziegenwiese.“ (Ein seit Ewigkeiten illegaler Überwinterungsplatz direkt am Meer, dessen Duldung offenbar ein Ende gefunden hat.) Wie es mir dort gefallen hat? Ich sag mal so, eine Nacht reichte. Peters Motor wurde für unsere Verhältnisse sehr früh zum Laufen gebracht, nämlich schon um 10 Uhr. Kurz nach Abfahrt winkte uns die Policia heraus. Das ist erstmal ein Schreck. Doch unser Goldlöckchen auf dem Rücksitz hat uns gerettet. Noch bevor wir herausfanden, was Sache ist, winkte Mateo lächelnd aus dem Fenster und wir bekamen das Zeichen, einfach weiterzufahren. Weiterlesen

Tag 24-28: Hausverbot und Meer

Die letzten Tage waren gemischt und teilweise sehr nervenaufreibend. Mittwoch bin ich auf der Finca Caravana angekommen, dem ersten spanischen Urlaub gegen Hand- Einsatz. Spanisch ist übertrieben, denn die Finca (die übrigens nur aus einem 2,2 ha flachem Land OHNE Finca besteht) ist fest in deutscher Hand.

Stellplatz und Verpflegung gegen Arbeitskraft, kenne ich ja schon und es war bisher jedes Mal eine Bereicherung. Auch dieses Mal kann man es als Bereicherung bezeichnen, allerdings der etwas anderen Art.

Meine Alarmglocken schrillten das erste Mal als bei der Arbeitseinteilung der Satz fiel: „Du als Frau hilfst in der Küche.“ Ich toleriere Sexismus nicht und mir ist klar, dass Menschen, die in solchen Kategorien denken, weit größere Probleme mit sich und der Umwelt herumschleppen.

Noch bevor ich darüber groß Nachdenken konnte, kam der zweite Knaller: „Ich hoffe du hast deine Verpflegung selbst mit, vegan ist zu anstrengend.“ Natürlich habe ich meine Verpflegung dabei, weiß ich doch welche akrobatischen Gedankengänge erforderlich sind, aus Rezepten das Fleisch zu subtrahieren und Milch durch Wasser zu ersetzen. Da braucht es definitiv einen Studienabschluss und den kann ich nicht bei allen Menschen voraussetzen.

Am 1. Tag fielen 10 Stunden Arbeitszeit an, am 2. Tag 11 Stunden. Am Abend des 2 Tages kam ich ins Grübeln, wann genau „Urlaub“ sei….Vermutlich während ich schlafe. Ich beschloss am 3. Tag das Gespräch zu suchen. Lösungsvorschläge hatte ich bereits parat: Entweder 1 Woche in der Form arbeiten, dann 1 Woche frei oder Stundenzahl täglich reduzieren oder abwechselnd 1 Tag arbeiten, 1 Tag frei oder ich werde „normaler“ Stellplatznutzer und zahle die regulären 8 EUR für 24 h. Das wäre die lustigste Alternative gewesen, denn die zahlenden Stellplatzgäste werden abends bekocht. Somit wäre ich doch noch zu meinem veganen Luxusmenü gekommen und das alles für 8 EUR. Unglaublich…

Das Gespräch mit dem zeitlich begrenzten Verwalter dauerte nicht lange. Als ich die Diskrepanz zu 8-11 Stunden Arbeit/Tag und der Kosten eines Stellplatzes auf der Finca (8 EUR/24 h) ansprach, offenbarte sich mir ein cholerisches und äußerst aggressives Gegenüber, das nicht im geringsten daran interessiert war, sachlich eine Lösung zu finden. Nö, wer am lautesten schreit hat Recht. Oder? Und wenn man mit schreien nicht weiterkommt, versucht man es mit Beschimpfungen und Beleidigungen und um das Machtgehabe perfekt zu machen, spricht man ein Hausverbot aus und gibt dem anderen 1 Stunde, um die Sachen zusammenzupacken und das Gelände zu verlassen. Ja, nicht mal als zahlender Gast durfte ich bleiben, vermutlich weil ihm einfiel, dass ich dann Essen bekomme.

Ganz kurz huschte ein Lächeln über mein Gesicht, als mir bewusst wurde, dass die Grundstücksgrenze nur 10 m hinter Peter verläuft und wenn ich die überquere, campe ich sozusagen wild und er kann weiterhin wie Rumpelstilzchen herumhüpfen. OK, ich habe mich für Meer entschlossen.

Mir ist völlig egal, was Menschen über mich denken oder sagen, denn ich weiß, alles was sie sagen, ist ein Spiegel ihrer selbst. Daran ändert auch ein Franze Marschall nichts. Was ich nicht toleriere, ist eine Mutter oder einen Vater vor den Augen und Ohren des 5-jährigen Kindes aggressiv anzugehen, zu bedrohen und zu beleidigen. Das ist nicht witzig und ein erwachsener Mann, der sich angeblich so sehr für die Belange seiner Mitmenschen einsetzt, sollte sich insoweit unter Kontrolle haben.

Die wundervolle Landschaft um Yecla herum werde ich nicht vergessen. Wir sahen Skorpione, Echsen, Gottesanbeterinnen, atemberaumende Sonnenunter- und -aufgänge, einen Sternenhimmel der Extraklasse mit unzähligen Sternschnuppen. Und ich habe zwei liebenswerte Menschen kennengelernt (und hoffe ich sehe euch bald wieder). (Wie ich heute morgen telefonisch erfahren habe, haben diese beiden Menschen zusammen mit 2 weiteren ein Hausverbot erhalten und hatten 10 min Zeit ihre Sachen zu packen. So schnell sieht man sich wieder.)

Ach und bevor mir Unterschlagung vorgeworfen wird: Ich habe doch Verpflegung bekommen, 3 Granatäpfel, 1 Handvoll Mandeln, 2 Cocktailtomaten, 1 Ei und ein Fladenbrot von 5 cm Durchmesser. Allerdings musste ich aus meinen Vorräten den Teig für das Stockbrot für 12 Personen herstellen. Wiegt sich somit wieder auf.

Nun stehe ich nur 30 m von einem Strand. 30 m hinter mir beginnen bereits Berge. Eine Kulisse, die ich so noch nicht in Spanien hatte. Wenn die Policia nichts dagegen hat, bleibe ich eine Weile hier und hoffe, das Meer spült die Erinnerungen aus Mateo heraus.

 

Der guten Ordnung halber stelle ich hiermit  ausdrücklich klar, dass einzig und allein mit dem derzeitigen Verwalter, Franze Marschall, das Gespräch geführt wurde. Der Eigentümer der Finca Caravana war weder anwesend noch daran beteiligt. Ich kenne ihn persönlich nicht.

Tag 21: oder so

Ach was soll ich schreiben. Mein Leben besteht nur aus Luxusproblemen: Sand in der „Wohnung“; Sonne zu heiß; Zu wenig Schatten; Meer zu salzig;  wie werde ich streifenfrei braun, Berge oder Meer; welche Uhrzeit; welcher Tag….

In der Touristenhochburg Calpe zum Strandräuber geworden: Mir ist klar, dass die von den Touristen erworbenen Heiligtümer wie Strandliegen, Surfbretter und Sandspielzeug nicht unbedingt ins Handgepäck passen….Somit liegen diese Dinge der Abreisenden natürlich abends am Strand herrenlos herum. Furchtbare Wegwerfgesellschaft, Teos Glück. Gestern eine große Schaufel gefunden und heute….erst schenkte er mir im Meer seine Taucherbrille. Dann kam er am Strand und schenkte mir noch seinen Strandstuhl, seinen Sonnenschirm und die Bodenhülse. Was für eine Beute. Frank meint, es lag an meinem „ObenOhneSonnen“. Egal. Meine Freundin Sybille sagt, ich solle ein fahrendes Secondhandgeschäft eröffnen. Sehr gute Idee. Sobald die Lager gefüllt sind, werde ich sie aufgreifen.

Aus einem bestimmten Grund, den ich hier zum Schutze des Herrn Elsner, nicht öffentlich erwähne, kann ich seit Tagen mit meinem linken Fuß nicht auftreten. Ich hoffe sehr, das gibt sich bald, denn morgen gehts auf zur Finca Caravana und meinem ersten Arbeitseinsatz, der Mandelernte.

Ansonsten: Ich kann noch nicht begreifen, dass die Flamingos hier herumlaufen, wie bei uns die Gänse. Sind nun einmal auch „nur“ Vögel. Aber superschöne.

Euch Daheimgebliebenen sende ich ganz viel Sonne und Wärme. Ich bin glücklich, sehr glücklich. Danke euch allen!