Tag 398: Teil 2 unserer Wanderung in der Vulkanlandschaft Garrotxa, Aufstieg zum Vulkan Santa Margarida

Nach einer regenreichen Nacht scheint am Morgen die Sonne herrlich warm und unserem Aufstieg zum Vulkan Margarida steht nichts im Wege. Als Wegzehrung machen wir uns einen Bohnensalat, selbstverständlich aus den weißen Bohnen von Santa Pau.

Verschiedene Wege führen nach Santa Margarida. Wir könnten wieder zum Parkplatz Fageda d’en Jordà – N42.154650 E2.516303 – fahren. Doch der Aufstieg von dort dauert ca. 3 ½ Stunden. Wären wir vermutlich 8-9 Stunden unterwegs. Das ist uns zu viel.

Die zweite Möglichkeit wäre direkt vom Parkplatz des Santa Margarida – N42.147922 E2.544062 – zu starten. Von dort dauert der Aufstieg ca. 30 min.

Wegweiser in Santa Pau

Wir wählen jedoch eine dritte Möglichkeit. Bei unserem gestrigen Stadtrundgang in Santa Pau stießen wir auf einen Wegweiser, der ebenfalls einen Wanderweg zum Santa Margarida auswies. Der Einstieg unserer Wanderung ist bei Placeta Sant Roc – N42.144440 E 2.569003 -.

Vulkan Rocanegra

Der weitere Streckenverlauf ist sehr gut beschildert und führt uns  an den Bohnenfeldern vorbei zum ersten Highlight dem Rocanegra und seinem tiefschwarzem Vulkangestein mit Lavabomben. Auf der Infotafel steht, dass er wöchentlich ausgebrochen sei. Weiter geht es mit einem herrlichen Weitblick über die Landschaft mit den weiteren Vulkanen, bis wir dann in das Dickicht des Santa Magarida eintauchen. Aufgrund des Starkregens in der Nacht, ist der Boden sehr rutschig und das Vorankommen aufgrund der Steigung schwierig, die Wege schmal und es gilt viele Lavabrocken zu überwinden. Frank wird der rutschige Weg zum Verhängnis und schwupps, sieht er aus, als hätte er am Schlammcatchen teilgenommen. Seinen Applaus für den unterhaltsamen Sturz hat er sicher. Die letzten km sind wirklich sehr anstrengend und steil. Der Weg von Steineichen gesäumt, verwehrt jeden Fernblick. Nach knapp 2 Stunden kommen wir oben an und stellen nach einer Verschnaufpause fest, dass auch hier die Steineichen sowohl den Blick in den Krater als auch den Fernblick verhindern. Wie eine Mauer kesseln sie uns ein. Wir sind enttäuscht nach der Anstrengung. Außerdem frieren wir. Wer kann denn ahnen, dass es in 750 m Höhe so kalt ist, wenn unten 20 Grad sind? 😉 Ich würde am liebsten umkehren.

Blick auf die Ermita

Wir gehen jedoch den Weg auf dem Kraterrand weiter und stoßen nach kurzer Zeit auf den Weg, der in den Krater führt und endlich können wir die kleine Kapelle in der Mitte des Kraters erblicken, bis wir 10 min. später selber im Krater stehen. Wir finden es beeindruckend in dem Krater eines Vulkanes zu stehen, mit dem Wissen, dass dieser mal Feuer und flüssiges Gestein spuckte und es rein theoretisch jederzeit wieder tun könnte.

Endlich im Krater

 

Der Krater hat einen Durchmesser von 300 m und die Höhe zum Kraterrand beträgt 60 m. Wir persönlich finden, dass sich der beschwerliche Anstieg gelohnt hat. Nach einer Picknickpause wird es uns jedoch zu kalt (egal wie das Wetter „unten“ ist, nehmt einfach eine warme Jacke mit) und wir wagen uns an den Abstieg. Dieser geht wider Erwarten sehr einfach und wir beobachten zwischendurch Geckos, Salamander und riesige Heuschrecken. Nach 4 Stunden und knapp 11 km sind wir wieder bei unserem Wohnmobil.

Auch diese Nacht verbringen wir wieder im gastfreundlichem Santa Pau – N42.146953 E2.568379 – , dessen Bohnen uns so köstlich schmecken, dass nun ein kleiner Vorrat mit uns mitfährt.

Mein Fazit: Garrotxa ist eine wunderschöne Gegend und einen Aufenthalt wert. Der Blick auf in die Weite und auf die Gletscher der Pyrenäen ist umwerfend. Den Croscat in seiner Farbenpracht und Größe kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Den Santa Magarida nur, wenn man wie wir, es „cool“ finden, mal in einen Krater zu klettern. Fernsicht gibt es definitiv nicht.

Santa Pau

Auf jeden Fall sollte ein Besuch der mittelalterlichen Stadt Santa Pau eingeplant werden. Beim Gang durch die schmalen Gassen konnte ich das Treiben des Mittelalters vor mir sehen. Meine Fantasie stoppte, als ich zu dem Punkt des Geruches damals kam, denn schließlich wurden die Nachttöpfe aus dem Fenster geleert. Glücklicherweise ist das heute nicht mehr der Fall.

Viel Spaß beim Erkunden der surrealen Landschaft Garrotxa

Teil 1 unserer Wanderung (Vulkan Croscat) findet ihr hier http://seelenfieber.de/2018/11/06/tag-397-teil-1-unserer-wanderung-in-der-vulkanlandschaft-garrotxa-aufstieg-vulkan-croscat/

Tag 42: Worldschooling

Heute nahmen wir am weekly meet up der worldschooling group Andalucia teil. Das Treffen fand in La Herradura direkt an der Küste statt. Wer Lust hatte konnte mit Kayak oder SUP auf das Meer. Es war ein wundervolles Zusammensein von Familien aus allen Ecken der Welt (Norwegen, England, Canada, Dänemark, USA), die ihre Kinder selbst unterrichten oder frei lernen. Ich hatte nun schon einigen Kontakt zu Familien, die ihre Kinder nicht einem Schulsystem aussetzen. Zugegebnermaßen habe ich bei den meisten kein gutes Gefühl. Aus ihren Worten ließ sich oft eine Motivation heraushören, die mit dem Wohl des Kindes wenig zu tun hat, sondern eigentlich nur die Schule abgelehnt wird, weil die eigenen Pläne gerade anders aussehen. Zur Bildung gehört m.E. schon etwas mehr als mit dem Wohnmobil durch die Welt zu reisen oder auf Campingplätzen wohnhaft zu werden. Ich merke selbst, dass ich Mateo einiges, aber nicht alles, was er wissen möchte, beibringen kann und darüber mache ich mir Gedanken und suche Lösungen. Bei dem Treffen heute, traf ich das erste Mal auf Eltern, die nicht mit der rosaroten Brille rumlaufen „Ach wird schon werden.“ Eltern, die auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen und die Wissbegierde fördern und fordern. Denn ein Kind kann nicht erahnen, welches Wissen existiert und welches es noch zu entdecken gibt, wenn der Rahmen in der Eltern-Kind-Beziehung festgesetzt ist und Sozialkontakte aus sporadischen Treffen bestehen. Seit wir reisen ändert sich meine Sichtweise, denn ich konnte in Lebensweisen reinschnuppern. Ich kann es nicht leugnen, aber mein Gefühl ist sehr oft, dass die Kinder zwangsisoliert werden, weil die Eltern unbedingt reisen wollen und die Eltern, die am meisten rauskehren, auf die Bedürfnisse ihrer Kinder zu achten, eigentlich die sind, die die Bedürfnisse ihrer Kinder fast gar nicht beachten.

Meine Meinung zur Beschulung hat sich nicht geändert. Ich halte ein Zwangsbildungssystem mit Vermittlung von Einheitswissen genauso falsch wie die zwanghafte Reiselust mancher Eltern. Reisen bildet, ohne Frage. Erdkunde und Sprachen werden nebenbei gelernt. Auch Biologie, Astronomie, Physik kommen nicht zu kurz. Doch die Frage ist, wie gut tut es Kindern, tagtäglich 24 h nur mit Eltern und Fremden Kontakt zu haben? Ist es eine Altersfrage? Wie gut tut es Kindern, keine feste Basis zu haben? Ist es eine Charakterfrage? Wollen sie wirklich reisen? Oder hätten sie lieber einen festen Freundeskreis? Diese Fragen kann man nicht allgemeingültig beantworten, da jeder Mensch individuell ist und darauf gilt es als Eltern zu achten. Tut es meinem Kind gut, zu reisen? Was empfindet es, wenn es gerade gewonnene Freunde verabschieden muss und schlimmstenfalls noch den Satz hört: „Wo wir jetzt hinfahren, findest du ganz schnell neue.“ Ein wirklich beschämender Satz, den ich von Eltern hörte, die vorher sagten, sie achten die Bedürfnisse ihres Kindes.

Wie groß ist das Mitspracherecht der Kinder tatsächlich? Dürfen sie entscheiden, wohin die Reise geht, wie lang eine Pause ist? Ich habe nicht das Gefühl, dass es so ist. Ich habe nicht einmal das Gefühl, dass Rücksicht genommen wird, wenn ich lese, dass an einem Tag mal eben 600-800 km gefahren werden. Wo ist der Unterschied zwischen 6 Stunden stillsitzen in der Schule oder 6-10 Stunden festgeschnallt im Kindersitz? Es gibt keinen. Die Kinder sind in beiden Fällen fremdbestimmt.

In diesem Sinne: Fragt eure Kinder, was sie wirklich wollen und nehmt ihre Antwort ernst.