Tag 175: Sonne satt

Heute hatte ich Langeweile und habe mittels Kalender doch gezählt, wie viele Tage wir nun schon im Wohnmobil wohnen. 175 Tage. Wow, es kommt mir vor, als wären wir erst gestern losgefahren. Ob ich jemals wieder in einer Wohnung wohnen will? An einem festen Ort? Ich kenne die Antwort bereits.

Ja, meine Seele und Portugal… Das ist so eine Sache für sich. Allerdings ist der seit Tagen herrschende Sommer in Spanien nicht zu verachten. 10 Tage verbrachten wir bei einer Bekannten, die einen Stellplatz eröffnet hatte, trafen auf alte Bekannte aus Deutschland, die eigentlich nicht mehr reisen wollten,  Teo war von morgens bis spät Abends mit Kindern irgendwo im Nirgendwo unterwegs und abends gab es Lagerfeuer mit Pfannenpizza. Vorgestern brachen wir auf. Wollten wir doch zu den heißen Quellen bei El Saladillo. Nachdem wir endlich die hässlichen Plastikplanen des Gemüseanbaus hinter uns gelassen hatten, war ich wieder einmal sprachlos über die beeindruckende Landschaft Spaniens. Ein abenteuerlicher Weg führte uns direkt ins Paradies. Es ist immer wieder faszinierend, wie heißes Wasser aus dem Erdinnern sprudelt. Irgendwann hatte sich jemand die Mühe gemacht und 4 Becken aus dem harten Lehmboden ausgehoben, so dass die Quelle nicht im angrenzenden Fluss versickert. Und während ich abends und morgens mein Bad genoss, gab es einen Fernblick gratis dazu. Traumhafte Sonnenuntergänge waren garantiert. Eine wunderschöne Energie findet man an dieser Quelle und ein fröhliches Miteinander mit den anderen Anwesenden. Die Flora und Fauna unbeschreiblich schön.

Da die Temperaturen weiter steigen, wurde es uns heute im Schwefelwasser doch etwas zu heiß und wir beschlossen, ans Meer zu fahren. Abkühlung musste her. (Sommer im Süden kommt für mich nicht in Frage, ist mir jetzt schon viel zu heiß.) Anfang November waren wir bereits in La Azohia. Mateo hatte hier schwimmen gelernt und er wollte gern nochmal an diesen tollen Strand. Vor 5 Monaten standen wir hier mit ca. 15 weiteren Wohnmobilen. Wir wussten, dass es ein typischer Überwinterungsplatz für Freisteher ist, trotzdem war ich erschrocken, als wir heute ankamen. Über 100 Wohnmobile dicht an dicht. Normalerweise eine Situation in der wir Gas geben und uns einen anderen Ort suchen. Doch Mateo zu Liebe, werden wir 1-2 Tage hier bleiben, bevor es weiter geht.

Wir haben noch weitere Tipps für tolle Naturquellen bekommen und werden nun einen „heilbadenden“ Weg nach Deutschland einschlagen.  Wann wir in Hannover eintrudeln, bleibt unser Geheimnis, damit wir uns erstmal akklimatisieren können. Einen Hinweis gibt es: Sobald die Sonne scheint und es warm ist, sind wir wohl angekommen, denn die Sonne  bringen wir natürlich mit. 😉

Die Tage in Spanien

Viel früher als gedacht kehrten wir Portugal den Rücken. Eigentlich waren wir auf der Reise vom Centro an die Algarve, um Freunde zu treffen. Doch das seit 3 Wochen anhaltende Unwetter mit Sturm und monsunartigem Dauerregen ließ uns am 12.3. die Entscheidung treffen, nach Spanien zu fahren, ins Warme.

Obwohl die Entscheidung einstimmig fiel und ich auch hinter ihr stehe, bin ich zutiefst traurig. Meine Seele hängt in Portugal, diesem wundervollen friedlichen Land fest. Mein Körper sitzt bei 25 Grad in der Sonne und meine Seele wandert durch die Landschaften Portugals. Es war zu früh, ich bin noch nicht fertig mit der Erkundung des Landes.

Seit langem eine Entscheidung, die mein Kopf und die Vernunft getroffen haben und nicht mein Bauch. Weil es angenehmer erschien, die letzten Tage bis zu unserer Reise nach Deutschland in der Sonne draußen statt im Regen im Wohnmobil zu verbringen. Und wir bringen im Regen schon mal 800 km hinter uns und können dafür der Sonne etwas mehr Zeit widmen. Klar hätten 3 Wochen länger in Portugal den Abschied nicht leichter gemacht, aber ich hätte mich verabschieden können. Als wir über die Grenze fuhren, war ich noch mitten im „Abenteuer Portugal“ und nicht im „wir sehen unsere Familien/Freunde wieder“ Modus. Es war zu abrupt. Die Flamingos, die uns direkt in Spanien über den Weg liefen, konnten meine Wehmut nicht wirklich lindern. Erschwerend kam am 1. Tag in Spanien auch noch eine Todesnachricht aus der Heimat. So verbrachte ich bis vor einigen Tagen die Zeit in Spanien in einem gar nicht anwesendem Zustand und bin sehr dankbar, dass wir seit über 1 Woche auf einem Privatgrundstück stehen dürfen und Raum zum Trauern gegeben war.

Jedenfalls hat mich diese Entscheidung wieder um eine Erkenntnis reicher gemacht: Mein Kopf hat gefälligst die Klappe zu halten, egal wie das Wetter ist.

Tag…Richtiger Ort, falsche Zeit?

Wer kennt den Film „Haus am See“? Noch bevor ich ihn das erste Mal gesehen hatte, fragte ich mich, wie oft ich Menschen, die in meinem Leben eine große Rolle spielen, bereits vor dem ersten bewussten Treffen, begegnet war.

Insbesondere bei Frank stelle ich mir diese Frage sehr oft. Das erste Mal miteinander gesprochen haben wir im Oktober 2007. Gelesen voneinander hatten wir seit August 2007 (in den Logbüchern bei Geocachingschätzen). Nach unserem ersten Gespräch stellte sich schnell heraus, dass wir seit 7 Jahren!!!! nur 1 km voneinander entfernt wohnten, in den gleichen Geschäften einkauften und er dort arbeitete, wo meine Kinder zur Schule gingen. Wir hatten unglaublich viele Möglichkeiten uns bereits unbewusst begegnet zu sein. Auch ein Rodelereignis am 1.3.2004 steht im Verdacht einer nicht wahrgenommenen Begegnung, denn im März liegt in Hannover selten Schnee.

Doch tatsächlich bewusst aufeinander aufmerksam wurden wir erst in Misburg in einem Restaurant im Oktober 2007. Danach brauchten wir noch über 1 Jahr um die Einsicht zu erlangen, dass wir Seelenverwandte sind, dass wir den Rest unseres Lebens miteinander verbringen wollen. Erst im März 2009 machte es „click“. Manchmal überlegen wir, wenn jetzt ein Film unserer Vergangenheiten laufen würde, in welchen Sequenzen würden wir gleichzeitig auftauchen?

Und heute lesen wir auf in einem Artikel über ein Paar, dass 11 Jahre bevor sie sich bewusst trafen und verliebten, bereits am gleichen Ort zu gleichen Zeit waren. Auf einem Foto, das sie aufgenommen hatten, waren sie beide zu sehen ohne voneinander zu wissen.  Eine schöne Geschichte, wobei ich zugeben muss, wenn ich mir die Perspektive auf beiden Fotos des Kunstobjektes anschaue, glaube ich, das hier eine Fälschung vorliegt. Beim seinem Foto müsste das Objekt eigentlich anders aussehen. Aber egal, träumen ist einfach nur schön. Link zu dem Beitrag: http://flip.it/W6KvD8

Tag….:Das Reisen des Selbst

Ohne Zweifel: Reisen entschleunigt und es fällt leicht, viele Dinge, die mich einst beschäftigten, einfach loszulassen. Ich stehe hinter der Redewendung: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Probleme gibt es nicht mehr, nur noch Herausforderungen und hier gilt: Hakuna Matata. Einfach mal tot stellen und die Sache regelt sich oft von allein.

Es fällt sehr leicht im Hier und Jetzt zu bleiben, denn es gibt keine Planung, kein Ziel, keine Aufgaben, keine Termine, keinen gewohnten Alltag, keinen Tag der dem anderen gleicht. Trotzdem wünsche ich mir Zeit für mich. Den inneren Prozessen, die unweigerlich zu arbeiten begannen als ich die Komfortzone verließ, kann ich mich leider leider nur ungenügend widmen. Mir fehlt die Ruhe und die Zeit. Vor allem die Ruhe. Ein Kind an Bord bedeutet 12 Stunden Geplapper um mich herum. Mich einfach mal nichtstuend/nichtshörend/nichtssehend in die Ecke setzen und die „inneren Abläufe“ verfolgen, ist nur möglich, wenn Frank mit Mateo allein unterwegs ist. Das machen sie nur ungern und mehr als 1 Stunde ab und zu für eine kleine Meditation ist nicht drin. Gehe ich selbst nach draußen und suche mir in der Natur einen freien Platz vergehen keine 15 min und Mateo sitzt neben mir. Er findet mich tatsächlich überall und akzeptiert mein Bedürfnis nach Alleinsein nicht. Er versteht es auch nicht, denn er ist gern mit Menschen zusammen.

Hinzukommt, dass 3 Bedürfnisse aufeinandertreffen und es Kompromisse zu schließen heißt und sei es nur, was wollen wir besichtigen? Meer oder Berge? Weiterfahren oder stehenbleiben? Was kochen wir? Ich würde gern gegen 5 Uhr aufstehen und in den Tag starten; Frank und Mateo sind Langschläfer.

Eine Selbstfindung ist in unserem Rahmen nicht möglich. Es ist deutlich zu viel „Wir“. Ich müsste allein unterwegs sein, damit es keiner Abstimmungen bedarf, sondern meine innere Stimme uneingeschränkt bestimmen kann.

Zwar ist eine Selbstfindung nicht greifbar, dafür läuft die – ich nenne es mal so – Paar- und Familienfindung auf Hochtouren. Unerwartete Fragen werfen sich auf und verlangen nach einer Lösung. Fühlen wir uns in der von der Gesellschaft formulierten Definition einer „Beziehung/Ehe/Partnerschaft“ noch wohl? Wie stellen wir uns losgelöst von dieser Definition unsere Partnerschaft vor? Welches ist unsere Vorstellung von Familie? Wo wollen wir leben? Wie wollen wir leben? Wie kompatibel sind unsere Vorstellungen?

Es wird noch einige Zeit und viele hitzige Gespräche in Anspruch nehmen, bis wir eine für uns alle zufriedenstellende Lösung parat haben. Doch auch kleine Schritte sorgen für Bewegung und wichtig ist, dass der erste Schritt getan wird. Bei uns sind es schon einige mehr und wir gehen den Weg, auch wenn er manchmal einem Gang auf Scherben gleicht. Und manchmal hilft tot stellen und warten, was passiert.

Tage ohne Nerven

Die gesamte Reise wird durch das Bauchgefühl bestimmt. Mal entscheidet meines, mal Franks, mal Mateos. Und dann vor 2 Wochen, peng…treffen wir eine Entscheidung, weil wir DACHTEN, es sei eine gute Idee. Nachdem ich einen Gutschein einer Online-Unterkunftsvermittlung erhielt, klang der Gedanke an ein eigenes Zimmer mit Tür, einer Badewanne, einer großen Küche, an Zweisamkeit dermaßen verlockend, dass wir die „Hallos“ und „Vetos“ und „was ist mit mir“ Einwürfe unserer Bäuche ignorierten. Schnell war ein wunderschönes Haus in portugiesischem Stil gefunden. 120 qm, 3 Schlafzimmer, 2 Bäder und eine riesige Küche. Wir freuten uns tatsächlich darauf und unser Bauchgrummeln schoben wir auf „was Falsches gegessen“. Das Haus ist auch real wunderschön.

Um es Vorwegzunehmen, nach einigen Minuten war uns einstimmig klar, das war der blödeste Gedanke überhaupt. Wir fühlen uns gar nicht wohl. Gefühlte 100 x am Tag suchen wir einen Vorwand, um schnell nochmal etwas aus Peter zu holen.

Wir vermissen unser winziges übersichtliches Reich, wir vermissen die Mobilität. Wir fühlen uns ohne Peter nackig und ungeschützt. Aufgrund Mateos Geburtstag und der momentanen Wetterlage (Sturm und monsunartiger Regen seit über 1 Woche) beschlossen wir, trotzdem einzuziehen und es als Experiment zu sehen. Wie fühlen wir uns, wenn wir sesshaft sind? Können wir uns vorstellen, in Portugal jeden Morgen an der gleichen Stelle aufzuwachen? Es reizt ja durchaus, sich hier ein kleines Fleckchen Erde zu kaufen. Wollen wir das wirklich?

Die letzten Tage waren eine Herausforderung. Wir fühlen uns wie lebendig begraben, wie eingemauert. Im Wohnmobil habe ich eine direkte Verbindung zur Natur und bin die meiste Zeit des Tages nicht im, sondern vor dem Wohnmobil. Ich lebe mit dem Wetter und mit der Sonne. Das fehlt mir so sehr.

Von den 120 qm nutzen wir vielleicht 25 qm. Wir kuscheln uns so dicht zusammen wie wir nur können. Unsere Nerven sind zum Zerreißen gespannt und ab und an reißt auch eine Saite. Frank und ich haben schon lange nicht mehr so heftig gestritten wie in den vergangenen Tagen. Das Experiment „Haus“ zeigt uns deutlich unsere Grenzen, unsere Wünsche und unsere Träume. Wir wollen reisen und unsere Neugierde stillen. Und wenn uns mal nach Verweilen ist, halten wir es wie gehabt und starten einfach nicht den Motor.

Wie kleine Kinder freuen wir uns auf morgen, denn wir ziehen wieder in Peter und fahren weiter.